„Musical Diva“ Anna Maria Kaufmann feierte am Donnerstag 20-jähriges Bühnenjubiläum im Bremer Musical Theater

Geschmeidiger Schwung auf den Flügel

Moon-Medley und Glamour: A.M. Kaufmann

Von Lorena PabelickBREMEN (Eig. Ber.) · Seit zwei Jahrzehnten steht sie auf internationalen Bühnen. „Stehen“ sieht man Anna Maria Kaufmann allerdings selten. Sie schreitet, posiert und zieht den schmalen Körper mit geschmeidigem Schwung erst auf und dann über den schwarzen Flügel ihres musikalischen Leiters.

„Musical Diva“ heißt die aktuelle Jubiläumstour, die sie am Donnerstagabend ins Bremer Musical Theater führte. Musikalisch begleitet von einer achtköpfigen Band und tänzerisch von vier Damen und einem Adonis des Deutschen Showballetts Berlin lässt Kaufmann im schwarzen Corsagenbody mit Begrüßung in drei Sprachen den Beginn einer glamourösen Show erwarten.

Zum Auftakt tragen eingängige Motive aus den Musicals „Cabaret“ und „West Side Story“ dazu bei, die stimmliche Aufwärmphase mit Emotionen zu überdecken. Auch die technische Feinabstimmung der Trompete hinkt dem Zeitplan hinterher. Der Wunsch nach qualitativem Zuwachs wird aber von diesem Zeitpunkt an in weiten Teilen erfüllt. Bis zur Pause unterbricht Kaufmann das Musical-Genre zugunsten eines „Moon-Medleys“. José Maria Canos „Hijo de la luna“ nutzt die gebürtige Kanadierin erstmals, um ihr gesangliches Repertoire anzudeuten. Die vom Lied geforderte Dynamik beherrscht sie mühelos, und auch ihre ausgesprochene Stimm-Brillanz unterstützt die Präsenz einer Diva, die sich bis dahin bereits in fünf verschiedenen Roben präsentiert hatte.

Dieser akustisch-optische Eindruck lässt sich nur noch durch besonders große Gesten überhöhen. Da muss schon eine Präsidentengattin das lauernde Volk ansprechen. „Eva Perón“ tritt vor vier arrangierte Mikrofone und intoniert ihr „Don‘t cry for me Argentina“ in reiner Klangfarbe, allerdings ohne die Tränen tatsächlich ansprechen zu können. So bleibt die erste Hälfte nett und hoffnungsvolle Erwartung hoch. Populärer ABBA-Sound macht den zweiten Auftakt. Kaufmann überstrahlt nun mühelos die Combo. ABBA ist Bewegung. Die kommt auch, allerdings nur noch in Zwischenauftritten der Tänzer. So in einer Hommage an Michael Jackson, die in einer Nachempfindung seiner Thriller-Choreographie gipfelt und die gute Leistung des Quintetts bestätigt.

Anna Maria Kaufmann überzeugt zunehmend. Inmitten von Tarzan, Cats und dem Phantom der Oper erhebt sich gegen Ende das unbekannte französische Lied über einen unglückseligen Geschäftsmann, der stets Künstler sein wollte („J‘aurais voulu être artiste“), und alles stimmt in beglückender Harmonie: weicher Sprachfluss, klare Stimme und Raum greifende Instrumente. Erfreulicherweise reißt dieser Faden nicht mehr ab und im Duett mit Gastsänger Johnny Zatylny lässt Kaufmann ihren Gesangspartner deutlich unterlegen erscheinen. Meist unterhält die Show der „Musical Diva“ gut. Beklagenswert aber bleibt die erst spät einsetzende Präsenz ihrer Stimmgewalt.

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