Philharmoniker mit „Winterzauber“

Geschichte mit den Füßen

Pia Neises - Foto: Katja Illner

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Mit Marko Letonja als Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker und Yoel Gamzou als Generalmusikdirektor des Bremer Musiktheaters wächst die Lust, in andere Repertoires vorzustoßen, mehr Menschen in die Veranstaltungen zu locken als bisher. Ob das klappen wird, muss noch offen bleiben, die ersten Reaktionen für beide Künstler waren positiv. So auch das jüngste Philharmonische Konzert mit dem Titel „Winterzauber“, für das sich Lentonja mit seinem Team etwas Interessantes einfallen ließ: ein Konzert für Steptänzer und großes Orchester, das der Amerikaner Morton Gould 1952 komponiert hat. Im Steptanzpart ist nur der Rhythmus festgelegt, alles andere erfindet die Tänzerin.

Ein lustvoller formaler Reichtum ist da entstanden, und durch die unterschiedlichen Tonhöhen der Schuhbeschläge auch eine Art Melodie. Die Kölnerin Pia Neises lässt keine Wünsche offen. Mit viel Mimik und Komik erzählt sie Geschichten mit ihren Füßen, die sie hochmusikalisch mit den Orchesterklängen Letonjas verzahnt. Sogar eine Solokadenz gibt es. Eine echte Entdeckung!

Das zweite Highlight des Konzertes ist die Bearbeitung von Peter Tschaikowskys berühmter „Nussknacker Suite“ in der Bearbeitung von Duke Ellington, der lebenslang versucht hat, den Jazz und die klassische Musik aus Europa zu vereinen. Wie sich der besondere rhythmische und blechbläser-lastige Ton Ellingtons in diesem Stück über die berühmte russische Vorlage stülpt, hat in jedem Moment einen fulminanten Charme. Und ist natürlich toll gespielt vom Orchester, mit herausragenden Soli wie denen von Thomas Ratzek (Trompete) und Dirk Piezunka (Saxophon).

Dann Gian Carlo Menottis kleines Weihnachtsstück über die Heiligen drei Könige. Ein amerikanischer Beobachter sagte einmal: „Menotti schreibt moderne Musik für Leute, die moderne Musik hassen“. Menottis Stil ist permanenter Widerstand gegen neue Musik, er badet im Neo-Puccini, im Neo-Strauss. Dies gilt allerdings noch mehr für die „Improvisationen über Weihnachtschoräle“ aus dem Jahr 1969 von Brian Kelly und eine vollkommen tonale „Christmas Ouvertüre“ aus dem Jahr 2007 (!) von Nigel Hess. Die opulenten Klänge erschöpfen sich schnell, ernten aber zwei gut platzierte „Bravos“ unmittelbar nach dem letzten Ton.

Man wird also sehen, wie sich der Versuch, ein populäreres Repertoire in die Konzerte zu integrieren, entwickeln wird. Das Programm wird noch heute und morgen abend um 19.30 Uhr in der Glocke gespielt.

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