Wonach riecht Macht?

Gerüche in der Bremer Weserburg

Die Macht strömt aus zwei Löchern an der Wand: Luca Vitone „Imperium“, 2014.
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Die Macht strömt aus zwei Löchern an der Wand: Luca Vitone „Imperium“, 2014.

Auch die Bremer Weserburg beschäftigt sich mit dem Thema Duft in der Kunst. Oder genauer gesagt mit dem Geruch von Macht. Wie genau dieser in der Nase liegt, darüber hat sich Luca Vitone Gedanken gemacht.

Bremen – Wonach riecht Macht? Nach staubigen Aktendeckeln? Abgestandener Luft? Vielleicht sogar nach Zigaretten? Oder doch eher nach jenem Rasierwasser, dem vor allem ältere Herren zugetan sind –  und das jeden anderen Duft im Keim erstickt? Wenn es nach Luca Vitone geht, trifft keine dieser Assoziationen zu. Das, was da in der Bremer Weserburg aus zwei Löchern in der Wand dringt, ist recht unaufdringlich, riecht sogar erstaunlich gut. Zumindest am Anfang. Denn diese Macht schleicht sich an, wird immer penetranter und hüllt den Besucher ein. Wer sich die Zeit nimmt, auf einer der Bänke an der Wand Platz zu nehmen, dem wird langsam aber sicher die Luft zum Atmen genommen. Selbst mit Mund-und-Nasen-Schutz.

Ausgehend von seinen Assoziationen mit den Begriffen Macht und Autorität bat Vitone eine Parfümeurin, eben genau diese Zuschreibungen in einen Duft zu gießen. Und auch wenn jener Geruch anfangs so gar nichts Unangenehmes an sich hat, passt doch genau dieser Umstand perfekt zum Thema. Denn Macht, zumindest wie wir sie kennen, nähert sich ebenfalls oft schleichend. Sie ist zu sehen – bis sie schließlich überhand genommen hat.

Staub aus den Zentren der Macht

Die Rauminstallation „Imperium“ ist dabei nur ein Teil des Beitrages der Weserburg zum Bremer Projekt „Smell it! Geruch in der Kunst“. Zu der Ausstellung „Macht“ gehört auch noch die vierteilige Gemäldeserie „Räume“, ebenfalls von Luca Vitone. Für die Arbeit hat der Künstler Staub gesammelt. Allerdings nicht irgendwo, sondern an Orten der Republik wo institutionelle Macht besonders spürbar ist: der Deutschen Bundesbank in Frankfurt/M., dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dem Deutschen Bundestag sowie dem Pergamon Museum in Berlin. Dort hat er Flusen und kleinste Partikel gesammelt, diese dann in Wasser gelöst und aufgetragen.

Herausgekommen sind dabei konzeptionelle Porträts von Orten der Macht, die durchaus schlicht sind – aber dennoch einige Informationen bereithalten. So zum Beispiel, dass man im Pergamon Museum dringend die Putzcrew austauschen sollte. Und dass im Bundestag auffallend wenig Staub zu finden ist – dafür aber deutlich mehr Fliegen und andere Insekten. Was in sich natürlich bereits ein Statement ist.

Die Anfänge der olfaktorischen Kunst

Neben der Weserburg ist auch das Zentrum für Künstlerpublikationen beim übergreifenden Projekt dabei und bietet einen Einblick in die Anfänge der olfaktorischen Kunst. Dabei geht es natürlich nicht nur um angenehme Gerüche. Nein, auch Fäkalien nehmen einen großen Raum ein. So ist unter anderem eine Dose mit Piero Manzonis legendärer „Merda d’artista (Künstlerscheiße)“ zu sehen, während die Künstlergruppe „Gelitin“ mit ihrer Installation „Das Kakabet“ in der Schau vertreten ist. Auf den Besucher wartet dabei – der Name deutet es bereits an – ein Alphabet aus Kot. Fein säuberlich in Buchstaben gelegt. Zu riechen gibt es hier zwar nichts, dennoch ist der Anblick schwer erträglich. Denn unser Hirn braucht nur wenige Sekunden, um uns an die passenden Gerüche zu erinnern. Weniger ekelig, aber nicht weniger eindringlich ist derweil die Arbeit „Forno“ von Hella Berent. Ein dickes Künstlerbuch aus Gummiseiten – das dementsprechend riecht.

Der Duft der Freiheit: die Hülle von „Drop of Freedom“.

Einer der führenden Künstler der Olfactory Art ist Peter De Cupere, kaum überraschend also, dass er gleich mehrmals im Zentrum für Künstlerpublikationen vertreten ist. Unter anderem mit dem Werk „Drop of freedom“, das für die Schau extra neu aufgelegt wird. Ausgehend von der Frage, wonach Freiheit für uns riecht, besteht die Arbeit aus einer Parfümprobe. De Cuperes Probe hat aber keinen mitreißenden Duft auf Lager, sondern genau einen Tropfen. Ein Tropfen, der nach Gras riecht und den jeder mit nach Hause nehmen kann. Er ist für zehn Euro im Shop der Weserburg erhältlich, der Erlös geht zu 100 Prozent an den Verein Fluchtraum Bremen. Schließlich verbinden wir alle den Geruch von Gras mit Ruhe, ja vielleicht sogar Heimat –  egal, wo wir geboren wurden.

Der Besuch

Installation und Ausstellung sind noch bis zum 15. August in der Bremer Weserburg zu sehen. Das Museum ist ohne Terminbuchen geöffnet.

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