Alice Cooper gruselrockt im Bremer Pier 2

Geisterbahn und schwarzer Humor

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Alice Cooper ·

Bremen - Von Ulf KaackWar das jetzt ein Heavy-Metal-Konzert im Broadwayformat, eine Theaterinszenierung unter Frankensteins Regie oder eine musikalische Karnevalssitzung jenseits aller Geschmacksgrenzen?

Schockrocker Alice Cooper machte am Sonnabend Bremen seine Aufwartung. Weit öffnete er im Pier 2 seinen Requisitenkoffer und förderte Guillotine, Galgen und Boa Constrictor zu Tage, daneben altbekannte Songs, vornehmlich aus den 70ern.

Von furchterregender Eleganz ist das Outfit von Alice Cooper, als er mit „Black Widow“ in das Programm einsteigt. Leder, Nieten, Chrom. Das Gesicht beschmiert mit verlaufener Schminke, in der Hand eine Reitpeitsche, so schreitet er einen Altar hinab, als wäre er direkt dem Hades entstiegen. Schwarzes Gift in einer infernalischen Klanghölle.

„I’m eighteen“, „Billion Dollar Baby“, „Under my wheel“, „Hey stoopid“… Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf dem Frühwerk Coopers. Dazu werden Säbel geschwungen, ganz nebenbei ein aufdringlicher Fotograf gepfählt und auch das Duett mit der lebenden Würgeschlange um Hals und Körper geschlungen fehlt nicht. Das unsterbliche Epos „Only women bleed“ avanciert von abgrundtiefer Liebe zu einem exzessiven Mordszenario. Als Opfer muss eine lebensgroße Puppe herhalten.

An der Seite des Altstars dürfen sich fünf Musiker nach Herzenslust austoben. Allen voran Schlagzeuger Glen Sobel – man wähnt Mike Tyson hinter dem kleinwagengroßen Instrument –, der mit einem minutenlangen Solo brutal Energie freisetzt. Und natürlich die Ausnahmegitarristin Orianthi aus Australien, die immer wieder mit wieselflinken Soli beeindruckt.

Eine rasende Fahrt mit der Geisterbahn, die immer wieder Station macht: im Irrenhaus, auf dem Friedhof, auf dem Schafott – tief hinein in die Abgründe des menschlichen Hirns. Doch wirklich gruselig sind die episodenhaften Inszenierungen nicht, sollten sie auch nicht sein. Was vor vier Jahrzehnten Kirchenvertreter und Sittenwächter auf die Barrikaden rief, ist heute eine amüsante Show voller Selbstironie und schwarzem Humor.

Das Finale der Show wird mit einem Exekutionsszenario eingeleitet: Zu „I love the dead“ zerren zwei Scharfrichter den Protagonisten unter die Guillotine. Das Fallbeil saust herab, der Kopf rollt…und wird anschließend von Cooper selbst vor der grölenden Menge zur Schau gestellt. Alice ist tot und sein zweites Ich gibt nun befreit noch einmal richtig Gas: Mit der Hymne „Poison“ bringt er den Saal schlagartig zum Überkochen. Bei „Schools out“, dem Klassiker schlechthin, adaptiert er thematisch passend kurzerhand „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd. Der perfekte Rock’n’Roll-Zirkus.

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