Roman Johann Strobls „Solistin“ im Pavillon des Bremer Gerhard-Marcks-Hauses

Geist und Körper

Roman Johann Strobl: „Die Solistin“ ·
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Roman Johann Strobl: „Die Solistin“ ·

Bremen - Von Johannes BruggaierEs wäre auch Platz für mehr gewesen, im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses. Doch die aktuelle Schau trägt den Titel „Die Solistin“.

Und weil „Solo“ nun mal „allein“ bedeutet, ist es bloß eine einzige schmale Figur, die hier einsam ihren Auftritt feiert. Roman Johann Strobl heißt der Künstler, der sie eigens für das kleine Ausstellungsgebäude des Bremer Museums geschaffen hat: ein österreichischer Bildhauer, der seit einigen Jahren in Hannover lebt.

Bekannt geworden ist er vor allem mit seinen Arbeiten aus Holz. Immerhin hat er das Schnitzerhandwerk in Tirol von klein auf bei seinem Vater gelernt. Seine „Solistin“ ist aus Lindenholz, was auf den ersten Blick wegen ihres dunklen Teints verwundern mag. Die Zusatzinformation „geflammt“ verrät den Grund der Oberflächenfärbung.

Es handelt sich um eine nackte Schöne, die in staunenswerter Leichtigkeit auf den Zehenspitzen ihres rechten Fußes balanciert. Aus Gründen des Gleichgewichts dreht sich ihr angewinkeltes linkes Bein nach rechts, während ihr schlanker Oberkörper sich mit leicht gebückter Haltung in die entgegengesetzte Richtung schraubt. Als könnte die linke Hand das Ganze mit einem beherzten Griff auf eine Tischplatte stabilisieren, greift sie hinter dem Rücken ins Leere: Da ist nichts, was Halt verspricht, außer der Kraft des eigenen Körpers.

Und auch die hat ihre Grenzen. Denn dass die Tänzerin ihren so komplex gewundenen Körper auf der schmalen Fläche ihrer Zehenspitzen zu halten vermag, ist einem kleinen Trick zu verdanken: Der als Podest dienende Baumstamm trägt sie unmittelbar an seinem Rand, dient somit als ausgleichendes Gegengewicht.

Strobls Figur nimmt also eine Haltung ein, die nur als Zwischenstadium einer Bewegung möglich ist. Ein Moment wird hier zur Ewigkeit gedehnt, Dynamik erstarrt zur Form. Und während jede Sehne, jeder Muskel dieses ausgezehrten Körpers gespannt ist, zeigt sich im Mienenspiel die vollkommene Loslösung von der Welt da draußen: Ein Solo in ureigenster Bedeutung des Wortes, Alleinsein als höchstes Glück der Körpererfahrung.

Es ist das Spiel mit den Kontrasten aus Starre und Bewegung, das den Reiz dieser Skulptur ausmacht. Im Ausdruck der völligen Introversion bei gleichzeitiger extrovertierter Haltung zeigt sich die gegenläufige Funktion von Geist und Körper. Dabei handelt es sich zwar um keine ganz neue Erkenntnis – im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses aber ist sie ästhetisch ansprechend verwirklicht.

Bis 6. Oktober im Gerhard-Marcks-Haus, Am Wall 208, Bremen. Öffnungszeiten: Di.-Mi. und Fr.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr.

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