Bremen feiert zum ersten Mal einen „Black OurStory Month“

„Es geht um politische Auseinandersetzung“

Theorie, Vorträge und Kultur verbindet der erste Bremer „Black OurStory Month“. Foto: BSU

Bremen - Von Rolf Stein. Der Schriftsteller James Baldwin sagte einmal, nicht zuletzt mit Blick auf den institutionalisierten Rassismus in den USA: „Die Geschichte ist nicht die Vergangenheit. Sie ist die Gegenwart. Wir tragen unsere Geschichte in uns. Wir sind unsere Geschichte.“ Um an wichtige Afroamerikaner zu erinnern, initiierten Lehrkräfte und Studierende an der Kent Satte University in Ohio im Februar 1970 den Black History Month. Mit der Zeit wurde die Idee auch andernorts in den USA aufgegriffen, wo sie heute auch unter dem Namen „African-American History Month“ etabliert ist.

In Deutschland hat der Black History Month eine kürzere Geschichte. Mainz, Hamburg, Berlin, München, Frankfurt haben ihn schon, in Hannover gibt es einen „Black His*Herstory Month“. In Bremen zieht nun die Black Student Union nach: „Um uns auf den Gedanken zu konzentrieren, dass wir als Gemeinschaft jenseits des (Hetero- und Cis) Normativen feiern und all unsere Geschichten ehren wollen“, so heißt es in einer Ankündigung, wird in Bremen ab Samstag der „Black OurStory Month“ zelebriert. Warum Bremen dabei nun später dran ist als andere deutsche Großstädte, ist recht schnell erklärt und gar nicht weiter überraschend: Zum einen habe das organisatorische Gründe, „auch weil es uns als Black Student Union noch nicht lange gibt“, erklärt Yezenia León Mezu, eine der Organisatorinnen.

Es hat aber auch strukturelle und damit finanzielle Gründe. „Weil bestimmte Themen auf gesellschaftlicher Ebene in einen bestimmten Kontext gesetzt werden, die jetzt erst Anklang finden oder öffentlich diskutiert werden.“ Mitstreiterin Maciré Bakayoko ergänzt: „Den Wunsch, so etwas zu machen, gibt es schon seit mehreren Jahren. Aber wir hatten vorher nicht die Ressourcen und auch kein Geld. Jetzt hat es sich ergeben, dass wir das machen konnten.“

Und es ist auch viel Arbeit für eine Gruppe, die das alles ehrenamtlich macht. „Wir haben nicht einmal einen Raum“, sagt León Mezu lachend. Umso wichtiger, dass es jetzt den „Black OurStory Month“ gibt. Schließlich ist die afrodeutsche oder Schwarze deutsche Geschichte lang und beginnt spätestens mit der Kolonialzeit – und da wiederum spielte Bremen bekanntlich eine wichtige Rolle.

Das Programm bietet Workshops, Vorträge und Kultur und Theorie. Wobei Bakayoko betont: „Es geht um politische Auseinandersetzung. Wir haben eine Kultur von Politik, aber keine Politik, bei der es um Kultur geht – das ist uns auch wichtig!“ Und Leon Mezu ergänzt: „Es geht auch darum, einen Zugang zu Informationen und Wissen zu bestimmten Themen anzustoßen.“

Die Themen reichen dabei vom Klima und seinen Verbindungen zum Kolonialismus über mentale Gesundheit bis zum Voguing, wobei ein Teil der Veranstaltungen nur für Schwarze Menschen ist. „Wenn man immer in einer Welt lebt, in der man rausgesingelt ist, ist es gut, in einem Raum zu sein, in dem das nicht so ist“, begründet Bakayoko diese Entscheidung.

Offen für alle sind derweil unter anderem die Poetry Night am Freitag, 7. Februar und „Eine Afrofuturistische Party im Weltall“ am Abend darauf sowie der Vortrag „Schwarze Perspektiven auf den Klimawandel und die Kolonialität der Klimakrise“ am Dienstag, 25. Februar, 17.30 Uhr im noon am Theater Bremen. In Hannover beginnt der „Black His*Herstory Month“ übrigens schon am 31. Januar um 22 Uhr mit einer großen Party in der Cumberlandschen Bühne.

Termine

Poetry Night: 7. Februar, 19.30 Uhr, Schwankhalle;

„Eine Afrofuturistische Party im Weltall“, 8. Februar, 22 Uhr, Schwankhalle; Kunstworkshop: „Wir sind unsere Ikonen“, 15. Februar, 10 Uhr, Kunsthalle Bremen; alle Termine im Internet: www.facebook.com/BlackStudentUnionBremen/

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