Es geht um alles

Galerie Kramer zeigt Noriko Yamamoto

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Die Weltformel nach Yamamoto.

Bremen - Von Radek Krolczyk. „Sichtbare Unsichtbarkeit“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung von Noriko Yamamoto in der Bremer Galerie Kramer. Die neuen Serien der japanischen Künstlerin heißen ebenso: Es sind glatte, minimalistische, perfekt gearbeitete Gegenstände. Neben Schwarz, Weiß und Grau kommt keine andere Farbe vor.

Es scheint so, als würden gerade diese Farben durch ihre vermeintliche Neutralität besonders viel Raum für Spekulationen eröffnen. Gerade in der Kunst spricht man nicht ohne Grund von Whitecube und Black Box. Beides sind Varianten eines sicheren und neutralen Raumes, in dem quasi alles möglich ist – in Aufführung und Vorstellung. Ihre bevorzugten Formen, sind klare und einfache Kreise und Rechtecke, Würfel und Kugeln. Dies erinnert nicht ohne Grund an die amerikanische Minimal Art der 70er-Jahre. Allerdings sind die künstlerischen Strategien selbst für den Umgang mit solchen Grundformen zahlreich.

In der Galerie Kramer stehen auf einer weißen Tischplatte zehn unterschiedliche Kerzenständer, neue und antike, aus Holz und Metall. Darauf ruhen große, schwarzlackierte Eier. Der Farbauftrag ist tadellos. Die matte Oberfläche weist keinerlei Fertigungsspuren auf. Was aber befindet sich im Inneren der schwarzen Eier? Als Yamamoto 2013 in der Städtischen Galerie Delmenhorst ausstellte, füllte sie durchsichtige Kunststoffeier mit ausgeschnittenen kleinen Fotofiguren. Diese Delmenhorster Bürger setzte sie dann auf die Wellen der Delme. Auch in ihren schwarzen Eiern, so erfährt man, sind kleine Figuren enthalten. Diesmal allerdings sind es ganze Szenen, häufig kriegerische Situationen, die sie aus kleinen Spielzeugsoldaten und Bäumchen aus Kunststoff zusammengesetzt hat.

Eier fungieren als Kinosäle

Die Eier fungieren dabei nun als abgeschlossene Kinosäle, als Black Boxes. In ihrem Inneren kommt etwas zur Aufführung, das dem Betrachter verschlossen bleibt. Seine einzige Chance bleibt die Vorstellungskraft. Der Betrachter bespielt auf diese Weise das Innere der hermetischen, schwarzen Gefäße mit seinen Gedanken selbst. Man könnte eine solche ovale Kunststoffbox auch kaufen und öffnen. Dann aber wäre das Kunstwerk auf zweifache Weise zerstört: physisch und konzeptuell.

Noriko Yamamoto ist in Bremen keine Unbekannte. Die 1969 in Osaka geborene Künstlerin kam 2004 an die Bremer Kunsthochschule und studierte Bildhauerei bei Yushi Takeoka. Ihre Arbeiten waren in der Weserburg und der Städtischen Galerie im Buntentor zu sehen. Mehrere ihrer Arbeiten befinden sich in der Sammlung von Karin und Uwe Hollweg.

Eine weitere in der Galerie ausgestellte Arbeit hat den wunderbaren Namen „Theory of Everything“ – Theorie von allem. Zu sehen ist eine seltsame weiße Kugel mit einem leicht stufigen Rand. Mit den schwarzen Eiern teilt sie ihre hermetische Form. Was könnten diese Kugeln beinhalten? Woraus setzen sie sich zusammen? Neben der Kugel liegen fünf in schwarze Leinen gebundene Bücher. Was man in ihnen findet? Löcher! Unterschiedlich große Löcher! Denn diese Kugel, die an Planeten erinnert, besteht aus runden Papierscheiben, die Yamamoto aus den Büchern ausgeschnitten hat. Und obwohl die Seiten ganz unbeschriftet sind, glaubt man ihnen, zusammengefügt zu einem Himmelsgestirn, diesen Titel: „Theory of Everything“.

Bis 16.Dezember, Galerie Kramer, Vor dem Steintor 46, Bremen

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