Vom „Rheinischen Expressionismus“ zu ostfriesischer Gelassenheit: Ausstellung in Emden würdigt den Maler Hans Trimborn

Gegenständlichkeit in zahlreichen Bildsprachen

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Hans Trimborn: „Die junge Hetta“, 1944 ·

Von Rainer BeßlingEMDEN · 1919 wurde für Hans Trimborn zum Wendejahr. Der talentierte künstlerische Autodidakt brach nicht nur das ungeliebte Medizinstudium ab und entschied sich endgültig für die Malerei.

Er wechselte auch den Wohnort: vom Rheinland auf die Insel Norderney, das klingt nach entschlossener Neuorientierung. Es sollte nicht der letzte Wendepunkt im produktiven Leben Trimborns bleiben. Eine Ausstellung im Ostfriesischen Landesmuseum Emden zeichnet jetzt Vita und Schaffen des Künstlers nach.

Zwischen 1909 und 1919 hatte sich der gebürtige Bonner im Milieu des „Rheinischen Expressionismus“ in Zeichnung und Gemälde, vorzugsweise in Landschaften und Figurenbildern, mit verschiedenen Facetten der Moderne beschäftigt: Eine „Ansicht von Bad Godesberg I“ (1916) dokumentiert die Auseinandersetzung mit dem Kubismus. „Das Rosa Haus im dunklen Wald“ (1915) lässt an Symbolisten denken. Das Bild „Dunkle Bäume vor gelber Wolke I“ (um 1915) knüpft an die Frühphase des Expressionismus an.

Auf Norderney klingen Kriegserlebnisse nach, die Trimborn bis 1918 offenbar eher zu verdrängen versucht hatte: Die Aufgewühltheit der Nachkriegszeit schlägt sich in temperamentvoll glühenden Farben und einem wilden, suggestiven Pinselduktus nieder. Maritime Themen tauchen auf, aus dynamischen Landschaften sprechen die Kräfte und Wechselfälle der Natur, Bildnisse mutieren zu Masken und Grimassen. Biblische Szenen reflektieren sinnbildlich die Zerrissenheit der Zeit, ein Vakuum an Hoffnung und den Verlust des Glaubens.

Die gestisch bewegte Handschrift Trimborns, dessen zeichnerisches Schaffen in der Ausstellung gleichfalls umfassend gewürdigt wird, hält nicht lange an. Distanziertere Sachlichkeit, ausgewogene Komposition der Landschaftseindrücke, beruhigtere, eher von innen bewegte Bildnisse rücken an die Stelle der expressiven Werke. Im grundsätzlichen Festhalten an Gegenstand und Figürlichkeit scheint Trimborn von den 30er Jahren an je nach Motiv und Thema unterschiedliche Bildsprachen zur Anwendung zu bringen. Auch wenn der Künstler stets neu seine Haltung und Ausdrucksmittel in der künstlerischen Praxis selbst überprüft, spiegeln die Kompositionen eher Gelassenheit.

Ende 1939 mussten Marta und Hans Trimborn die zur Seefestung erklärte Insel Norderney verlassen. Sie fanden in dem zwischen Norden und Hage gelegenen Lütetsburg Unterkunft. Das dortige Wasserschloss bot dem Maler Atelierraum, Teile der Anlage dienten Soldaten als Unterkunft, auch in Not Geratenen, vor allem Vertriebenen bot die Fürstenfamilie Obdach.

In diesem Umfeld fand der Maler Hans Trimborn ein reichhaltiges Motivangebot. Es entstanden in den 1940er Jahren zahlreiche Porträtskizzen und viele ausgeführte Bildnisse, auf denen der Schatten des Krieges, die Not und ein ungewisser Neubeginn lagen. Der Künstler selbst aber konnte sich nicht beklagen. Seine Arbeit fand Beachtung, es gab öffentliche Aufträge, vor allem war Trimborn als Musiker stark gefragt. Klassisch ausgebildet, pflegte er auch Jazz und leichte Muse. Musikalisch und bildkünstlerisch zeigte er sich stilistisch offen und vielseitig begabt.

Hans Trimborn 1891-1979. Maler und Zeichner. Ostfriesisches Landesmuseum Emden. Bis 5.2.2012. Eintritt: 6 Euro

Katalog 19,80 Euro

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