Ob Janis Joplin oder Alice Cooper: Für Retro-Freunde findet sich ganz bestimmt etwas für das Plätzchen unterm Weihnachtsbaum

Gefeuert, was die Archive hergeben

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Alice Cooper ·

Syke - Von Jörg Worat. Retro-Freunde hatten auch 2012 keinen Grund zum Jammern: Wieder einmal feuerten die CD-Produzenten raus, was die Archive hergaben.

So gab es gleich zwei Neuerscheinungen von Janis Joplin. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. „Live At The Carousel Ballroom 1968“ (Sony) kommt, nun ja, recht rustikal daher. Janis’ damalige Begleitband „Big Brother & The Holding Company” ist bei den Fans das Äquivalent zu George Lazenby im Zirkel der James-Bond-Aficionados: für einen Großteil die ultimative Katastrophe, für manche das einzig Wahre. Die spezielle Abmischung der Aufnahmen durch den legendären Owsley „Bear“ Stanley sorgt für zusätzliche Irritationen. Kurz: Wer schon mal verstimmte Gitarren in Kauf nimmt und sich nicht daran stört, dass der Gesang lediglich auf einem Kanal erklingt, könnte die Anschaffung in Erwägung ziehen – auf jeden Fall wird man durch eine Menge Energie entschädigt.

Viel gediegener wirken da „The Pearl Sessions“ (Sony). Joplins Vermächtnis, ursprünglich 1971 und somit posthum veröffentlicht, erscheint hier als Doppel-CD mit zahlreichen Bonus Tracks, etwa Alternative Takes und mehr oder minder amüsantes Studio-Geflachse. Die „Full Tilt Boogie Band“ spielt wesentlich disziplinierter als vormals die Kollegen, und Janis’ Stimme hat hörbar an Reife gewonnen. Aber die Sache klingt eben auch deutlich glatter.

Wenn wir schon von gehobelt und ungehobelt sprechen: In der Reihe der preisgünstigen „Original Album Classics“ (Sony) ist eine 3-CD-Box von Ian Hunter erschienen. Sie enthält Alben aus den Jahren 1975 bis 1977, nämlich das schlicht mit dem Namen des Ex-Mott-The-Hoople-Frontmanns betitelte Solo-Debüt, dazu „All American Alien Boy“ und „Overnight Angels“. Über weite Strecken wunderbar geerdetes Rock-Pop-Geschrammel, und was Hunter an Stimmsicherheit fehlt, macht er mit seinem Charisma mehr als wett. Übrigens ist er mit inzwischen 73 Jahren immer noch auf Achse und hat gerade das von den Fans begeistert aufgenommene Album „When I‘m President“ veröffentlicht – von Rücktrittsforderungen keine Spur.

Ein Präzisionswunder ist auch Sangesbruder Alice Cooper nicht. Eine Box der „Original Album Series“ (Warner) vereint die ersten fünf Alben aus der Zeit, als der Name nicht nur den Vokalisten, sondern die gesamte Band bezeichnete. Die Spanne beginnt beim 1969er Debüt „Pretties for You“, erschienen auf Frank Zappas „Straight“-Label, und endet beim Mega-Seller „School’s Out“ von 1972. Ist die Musik anfangs noch psychedelisch angehaucht und trägt zumindest punktuell echt anarchistische Züge, mischen sich zunehmend gediegene Hard-Rock-Elemente ins Geschehen. Die berühmt-berüchtigte Grusel-Bühnenshow mit Boa constrictor und Galgen kann man sich zu alledem ja vorstellen.

Nu is aber gut mit den heftigen Geschichten? OK, wie wär’s dann mit „The Virgin Years 1977-1983“ von Tangerine Dream (EMI). Die Box ist die zweite Compilation über die Virgin-Zeit der deutschen Elektronik-Pioniere, umfasst auf fünf CDs sieben Alben nebst vier Bonus-Titeln und eignet sich vielleicht besonders gut für Neueinsteiger, weil hier die Entwicklung der Gruppe gut nachzuvollziehen ist: Die Liveplatte „Encore“ (die von der zeitlichen Abfolge her eigentlich in die erste Box gehört hätte) bietet noch ausführliche und zumindest periodisch frei schwebende Klanglandschaften, später werden die Nummern oft kürzer, rhythmusbetonter und eingängiger. Interessant und für wenig Geld erhältlich.

Hit des Jahres? Womöglich „Completely Cilla 1963-1973“, eine Box mit fünf CDs und einer DVD von Cilla Black (EMI). Die Beatles-Intima präsentiert hier leicht angerauten Pop und Merseybeat vom Feinsten. Übrigens hieß die Dame ursprünglich Priscilla White – der Soulfaktor ihrer fabelhaften Stimme veranlasste findige Marketingleute wohl dazu, den Geburtsnamen anzuschwärzen.

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