„I do it Idiot“: Zeichnungen von Edwin Schäfer in der Bremer Galerie Oberem

Gedanken und Gewebe

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Schriftsprache des Zeichners Edwin Schäfer.

Bremen - Von Rainer Beßling. „I do it Idiot“. Der Titel der aktuellen Ausstellung in der Bremer Galerie Oberem dokumentiert Selbstironie des Künstlers. Die kleinteiligen, wuchernden Lineaturen von Edwin Schäfer könnten an ein gewisses Maß von Verrücktheit denken lassen.

Besessenheit für grafisches Geschehen spiegeln die Zeichnungen des Offenbacher Künstlers allemal.

Schäfers Zeichnungen entstehen schnell. Es geht dabei nicht um das Aushebeln von Kontrolle, sondern um die Entwicklung einer eigenen Sprache im zeichnerischen Prozess. Zeichnerische Setzungen benötigen ein angelegtes Gegenüber. Spontane Anfangsformulierungen ermöglichen es, in das Fortschreiben einzutauchen. Zeichnen ist für Schäfer ein eminent physischer Akt, der Gedanken freisetzt und mitnimmt. Zeichnen heißt auch, die Tusche zu riechen, das Blatt zu spüren. Der Künstler wählt keine streuenden oder schlierigen Kreiden, sondern setzt klare Linien mit Pinsel oder Feder. Inzwischen ist ein breites Repertoire an Formen entstanden. In der Wiederholung setzen, festigen, bestätigen sich bestimmte Vokabeln. Nicht um Skizzen handelt es sich, sondern um Protokolle einer Sprachfindung.

Schäfer schafft Formationen, die verborgenen Prozessen Körperlichkeit verleihen. Angesichts der Linienbahnen, Kurven, Schlingen und Gewebe könnte man an Gehirnwindungen oder Gedankenströme denken. Die Figurationen ließen sich aber auch so sehen, dass der Begriff Schriftkörper hier wörtlich genommen wird, dass Schrift, als eigentlicher Ursprung der Sprache verstanden, einem wachsenden Organismus gleich auftritt.

Der Bezug zu Figuren, Körpern oder Fragmenten von Körperlichem ist in allen Zeichnungen Schäfers offenkundig. Der menschliche Körper, auch als Träger und Hülle von Gedanken, ist ein Grundthema in Variationen. Körper, Gesichter tauchen auf, bisweilen eher Masken oder Schemen. Gesichter werden nicht von Ornamentalem umrahmt, sondern sind Teil des zeichnerischen Gesamtgeschehens, werden teils überlagert, teils eingeschlossen von Liniengeweben. Schäfers Tusche-Arbeiten erinnern auch an fernöstliche Kunst und Philosophie. Darin spielen nicht nur Weite, Leere und Unendlichkeit zentrale Rollen. Der Mensch wird nicht als Zentrum der Dinge und Welt betrachtet und gesetzt. Auch er ist eingebettet in den Kosmos, ist Teil des Ganzen.

Spur, Bündel, Rhizom, Wuchern – solche zeichnerischen, organischen Begriffe, die sich mit Schäfers Arbeit assoziieren lassen, verweisen auf ein Denkmodell, das die Hängung unterstreicht: Geschehen ist nicht linear vermessen, Raum nicht zentriert gestaffelt. Gerahmte Zeichnungen über große Blätter gehängt, fordern auf, über Formate hinaus zu sehen und zu denken. Erkennbar wird, dass der Künstler Kompositionen in Korrespondenzen findet. Das regt an, sich vergleichend in die Sprache Schäfers einzulesen, dem es um eine individuelle Diktion, nicht um bildhaft übersetzte Begriffe geht.

Galerie Oberem, Bremen, Mendestraße 11, bis 18. Januar.

Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 12- 14 Uhr

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