Der ganze Kosmos

Norbert Schwontkowski: Aufmerksamkeit zum 70. Geburtstag

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Aus der Sammlung Seinsoth stammt auch dieses Bild ohne Titel von Norbert Schwontkowski.

Bremen - Er gehört zu den wichtigsten deutschen Malern der letzten Jahrzehnte, auch wenn der große Erfolg eher spät in seinem Leben eintritt, nachdem 2004 eine Einzelausstellung in der Bremer Kunsthalle auf ihn aufmerksam macht. Schauen in Dublin, Sydney, New York, Antwerpen, Tokio und Neapel folgen. Als „Erbe, Enkel und Fortsetzer der nordischen deutschen Romantik“ bezeichnet ihn die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in ihrem Nachruf. Am 29. April dieses Jahres wäre Norbert Schwontkowski 70 Jahre alt geworden. Gestorben ist er nach kurzer Krankheit bereits am 14. Juni 2013 im Alter von 64 Jahren.

In seiner Heimatstadt Bremen erfährt Schwontkowski nun eine besondere Ehrung. Was nur zum Teil damit zu tun hat, dass er dort geboren wurde. Dass er sich abseits der Metropolen des Kunstbetriebs entwickeln konnte, hat sehr viel mit Brigitte und Udo Seinsoth zu tun. Die beiden betrieben in Bremen eine Galerie und ein Antiquariat, deren Grenze fließend war. „Ich liebe Grenzgänger, zwischen Literatur und Kunst beispielsweise, wie Georg Jappe oder Gerhard Rühm“, gab Brigitte Seinsoth einmal zu Protokoll, Fluxus-Kunst hatte einen festen Platz im Galerieprogramm – bis Brigitte Seinsoth im Sommer 2012 starb. In den Jahren darauf wickelt Udo Seinsoth auch das Antiquariat ab.

Norbert Schwontkowski ist deutlich eher klassischer bildender Künstler als beispielsweise Rühm oder Jappe. Aber auch sein Werk bewegt sich immer wieder über die Grenzen der Malerei hinaus. Der Titel des zum 70. Geburtstag erschienenen Katalogs kündet davon: „visuel poetry“ fasst rund 400 Arbeiten des Künstlers zusammen, die allesamt aus der Sammlung Seinsoth stammen. Ein Konvolut, das in sich die Spannweite des Gesamtwerks von Schwontkowski birgt, das eben nicht nur aus großformatigen Ölgemälden besteht. Und das macht diese Sammlung zu etwas ganz Besonderem.

Udo Seinsoth, der den Maler in den frühen 80er-Jahren kennenlernte und bis vor Kurzem mit dessen Bildern lebte, stand deshalb vor der Frage, was damit geschehen sollte.

„Ich hatte ein großes Verkaufsgebot für die Sammlung“, erzählt Seinsoth. „Ich hatte nicht vor, das unbedingt alles zu behalten. Das habe ich meiner Tochter, die ist Direktorin in der Galerie Hauser und Wirth in Zürich, vorgeschlagen, und dann hat sie gesagt: Nee Papi, ich möchte nicht, dass du das verkaufst. Ich brauch das Geld nicht, du brauchst das Geld nicht, wie wollen das als euer Vermächtnis. Ihr habt Norbert aufgebaut, und ich möchte, dass das euer Vermächtnis bleibt.“

So entschied sich Seinsoth, seine Schwontkowski-Sammlung in einem Katalog zu dokumentieren, für den er selbst, seine Tochter Karin und der Kunstkritiker Rainer Beßling, lange Jahre Kulturredakteur unserer Zeitung, Texte beisteuerten. Druckgrafiken, Künstlerbücher, übermalte Postkarten und vieles mehr erhellen die Arbeitsweise und Gedankenwelt Schwontkowskis. Im Original bleibt die Sammlung ebenfalls im Ganzen erhalten – und öffentlich zugänglich. Zunächst in der Austellung „Norbert Schwontkowski – Gemalte Poesie. Die Sammlung Seinsoth“, die an diesem Wochenende im Worpsweder Barkenhoff eröffnet wird. Die Schau hatte Seinsoth schon vor anderthalb Jahren verabredet.

„Im Grunde ist aber wichtiger, was danach geschieht“, sagt er. „Meine Tochter und ich haben überlegt: Weil meine Frau Kölnerin war, hatte ich eine Zeitlang das Kolumba in Köln im Kopf, eines der schönsten Museen, die es gibt. Die hatten kurz vor Norberts Tod vier seiner Bilder gekauft und sammeln ihn wie wir. Den ganzen Kosmos, nicht nur die Ölbilder. Aber dann haben wir überlegt, das soll an seinem Geburtsort in Bremen bleiben, um hier eine Basis für eine große Schwontkowski-Sammlung zu legen.“

Die Entscheidung für die Weserburg hängt dabei eng mit der Person von Janneke de Vries zusammen, der Seinsoth als Mitgründer der Gesellschaft für aktuelle Kunst (Gak) seit Langem verbunden ist. Der Neubeginn der Weserburg hat es Seinsoth ebenso angetan. „Ich glaube, dass das eine Festigkeit haben wird und Bestand hat“, sagt der Sammler.

„Solange Janneke de Vries Direktorin ist, bleibt die Sammlung als Dauerleihgabe in der Weserburg. Und dann wird meine Tochter entscheiden, ob es als Schenkung bleibt oder zurückgezogen wird, wenn die Sicherheit nicht gegeben ist.“ Einen letztgültigen Beschluss zum Standort der Weserburg gibt es nämlich bis heute nicht. Die Aussicht auf eine Schenkung könnte derweil die Position des Hauses stärken, so die Überlegung der Seinsoths. Im Februar soll in der Weserburg ein Schwontkowski-Raum fester Bestandteil der Dauerausstellung werden.

Ansehen:

„Norbert Schwontkowski – Gemalte Poesie. Die Sammlung Seinsoth“, Eröffnung: Samstag, 16 Uhr, 30. Juni bis 3. November, Barkenhoff, Worpswede;

Norbert Schwontkowski: „viseul poetry“, Salon Verlag, 308 Seiten, gebunden, 30 Euro.

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