Die Deutsche Kammerphilharmonie und Frieder Bernius liefern Höhepunkt der Spielzeit

Ganz ohne tödliche Glätte

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Frieder Bernius beweist auch in Bremen, dass er ein hochsensibler Chor- und Orchesterleiter ist. 

Bremen - Von Michael Pitz-grewenig. Die Konzerte der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen sind oft herausragend, aber das 4. Premieren-Abonnementkonzert im großen Saal der Glocke mit dem Titel „Zauberwelten“ war ohne Zweifel ein Höhepunkt der Spielzeit. Frieder Bernius ist ein hochsensibler Orchester- und Chorleiter, der um die Zerbrechlichkeit der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy weiß – die perfekte Wahl für dieses Konzert. Und der vor 50 Jahren von Bernius‘ gegründete Kammerchor Stuttgart gilt nicht ohne Grund als einer der besten. Textverständlichkeit, Intonationssicherheit, perfekte Deklamation, sind bei diesem Ensemble auch in den leisesten Passagen selbstverständlich. Es sind jedoch nicht diese Dinge, die seine Herangehensweise so eindrucksvoll machen, sondern das an der Avantgardemusik geschulte Verständnis der Partituren. Dieses führt natürlich auch bei Mendelssohn dazu, dass die in der Romantik modernen Aspekte zum Vorschein kommen.

So bereits bei der Suite aus „Ein Sommernachtstraum“ op. 61“: Begeisternd ist die Transparenz und die Natürlichkeit, mit der Bernius dieses hinlänglich bekannte Werk interpretiert. Feinsinnig und filigran spürt er auch kleinste klangliche Nuancen auf, wodurch der Dirigent der Auslegung jene ansonsten oft so tödliche Glätte nimmt, die gerade bei Mendelssohn Bartholdys Werken in Verbindung mit entseelter Perfektion entstehen kann.

Bestechend ist auch die vokale wie instrumentale Feinjustierung und Eleganz in der Phrasierung, die die Wiedergabe dieses hinlänglich „abgehörten“ Werkes so erfrischend unmittelbar macht, als höre man es zum ersten Male. Die beiden Sopranistinnen Anna-Sophie Brosig und Sigrun Maria Bornträger vervollständigen als vortreffliche Elfen die exzellente Interpretation.

Mendelssohns auf einen Goethe-Text komponierte Kantate „Die erste Walpurgisnacht, op. 60“ gehört zu seinen interessantesten Werken. Leider hört man sie viel zu selten im Konzertsaal. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen musiziert unter Bernius lebendig, akzentuierungsfreudig und versemmelt die Musik nicht unter einem oberflächenpolierten Glanz. Resultat ist eine überaus stimmige und geglückte Interpretation. Selbst die bühnenhaften Passagen wirken nie gekünstelt, sondern werden akribisch auf ihren musikalischen Gehalt hin ausgewertet. An der bestechenden Transparenz und Natürlichkeit hat, neben dem Chor natürlich auch das hervorragend ausgewählte Vokalensemble mit seinen vokalen und darstellerischen Qualitäten einen hohen Anteil. Renée Morloc (Alt), David Fischer (Tenor), David Jerusalem (Bass) singen mitreißend musikantisch. Das gilt übrigens auch für Stephan Genz (Bariton), der auch mimisch höchst eindrucksvoll agiert. Frieder Bernius dirigiert mit einer begeisternden Mischung aus philologischer Texttreue, souveräner Technik und langem musikalischem Atem – Qualitäten, die man so oft im Konzertsaal nicht hört und die diesen Abend so sensationell machen.

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