Die „GaDeWe“ stößt heute auf die guten alten Kabarettzeiten an

„Walle war damals kulturelles Brachland“

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Retro-Style

Bremen - Von Rolf Stein. In Bremen-Walle wird heute gefeiert: Die „GaDeWe“, kurz für Galerie des Westens, ist 30 Jahre alt geworden. Allerdings schon am 8. März vergangenen Jahres. Eine Jubiläumsausstellung zeigt noch bis zum 22. Januar Arbeiten von Künstlern, die die Galerie geprägt haben. Eine „Retro-Revue“ erinnert heute daran, dass der Ort auch lange Jahre Schauplatz für Kabarett, Theater und Literatur war. Andreas Wick war dabei – und sorgt heute für eine dadaistische Wiederbelebung. - Von Rolf Stein.

Herr Wick, Was ist eigentlich die „GaDeWe“?

Andreas Wick: Gegründet wurde die „GaDeWe“ als Produzentengalerie von Tom Gefken, Heiko Motschiedler und Jürgen Hänel. Die drei studierten damals an der Hochschule für Künste und suchten nach Ausstellungsmöglichkeiten. Das war schwierig, weshalb sie sich sagten: Dann machen wir etwas Eigenes.

Und das war dann die Galerie an der Reuterstraße?

Wick: Nein, zuerst war die „GaDeWe“ an der Osterfeuerbergstraße, vielleicht hundert Meter vom jetzigen Standort entfernt in einem kleinen Ladenlokal. Nach zwei Jahren ergab sich dann die Möglichkeit, die Räume in der Reuterstraße anzumieten.

Wie wurde die Galerie im Stadtteil angenommen?

Wick: Walle war damals kulturelles Brachland. Außer dem Waldau-Theater gab es nicht viel. Es war deshalb schwierig, Publikum in die Galerie zu kriegen. Deshalb haben die Künstler der „GaDeWe“ beschlossen, die Kunst in den Stadtteil zu bringen. Sie zeigten ihre Arbeiten beispielsweise in Wartezimmern von Arztpraxen oder im Foyer des Waldau-Theaters.

Die „GaDeWe“ war lange auch ein Ort für Kabarett und andere literarische Formate. Wie kam es dazu?

Wick: Mit den Jahren kamen immer mehr Mitglieder in den Verein, der seit 1987 die Galerie betreibt, darunter auch der Autor Rolf Weber, der damals noch Germanistikstudent war. Er organisierte Lesungen und Auftritte von Schauspielern in der Galerie. Auch Jürgen Kropp, damals Dramaturg am Waldau-Theater war mit von der Partie. Die Bühnenabende waren eine wichtige finanzielle Konstante, weil die Galerie sich nicht über Verkäufe finanzieren konnte.

Sie standen damals auch selbst auf der Bühne der „GaDeWe“?

Wick: Ich war von 1993 bis 2004 für Veranstaltungen in der Galerie zuständig und habe auch Pressearbeit gemacht. Aufgetreten bin ich dort regelmäßig als der „weise Wick-Medicus“ und als Mitglied der Bremer Dada-Fraktion.

Warum haben Sie aufgehört?

Wick: 2004 kam der Bühnenbetrieb in der „GaDeWe“ zum Erliegen. Das war für die ausstellenden Künstler durchaus von Vorteil. Weil für Veranstaltungen die Ausstellungen immer abgebaut werden mussten, konnten sie zum Beispiel keine aufwendigen Rauminstallationen zeigen. Eine öffentliche Förderung füllte die finanzielle Lücke. Heute wollen wir nun daran erinnern, dass die „GaDeWe“ lange Zeit auch eine Bühne war. Sehr beliebt war das „Kabarett der literarischen Gewalttätigkeiten“ von Ulrich Reineking-Drügemöller.

Der 2009 verstorben ist.

Wick: Leider sind inzwischen viele aus der Grundungszeit gestorben. In der Jubiläumsausstellung sind auch von den Verstorbenen Arbeiten zu sehen. Für die Retro-Revue haben wir Künstler angesprochen, die in den letzten 30 Jahren das Bühnengeschehen der Galerie geprägt haben.

Gibt es Bestrebungen, wieder einen Bühnenbetrieb in zu etablieren?

Wick: Gerd Wittenburg, der heute Abend auch dabei ist, plant ein Theaterstück in der Galerie. Aber für einen regelmäßigen Betrieb brauchen wir eine junge Truppe, die sich engagiert, und die ist leider momentan nicht in Sicht. Mittlerweile kommen immerhin vermehrt Besucher aus anderen Stadtteilen zu uns, und auch die Studierenden von der Kunsthochschule in der Überseestadt wollen sehen, was im Quartier so los ist.

30 Jahre „GaDeWe“ – eine Retro-Revue, heute ab 20 Uhr,

Reuterstr. 9-17, Bremen

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