Restlos ausverkauft

Mit furioser Energie und ohne Angst vor Pathos

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David Afkham.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Manchmal fragt man sich, ob eine Beziehung des Komponisten zu seinem Interpreten auch in der Komposition zu hören ist. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622 scheint es so zu sein.

Das Spiel des Klarinettisten Anton Stadler, Freimaurer wie Mozart, hatte diesen so tief getroffen, dass die für Stadler geschriebenen Werk zum Intimsten und Persönlichsten gehören, was Mozart schrieb - alle in der Freimaurertonart A-Dur. Wenn man dann eine Interpretation des Werks von Jörg Widmann hört, dann kann es Schöneres oder Besseres kaum geben. 

Im restlos ausverkauften Abonnementskonzert der Deutschen Kammerphilharmonie lotet Widmann Mozarts Gefühlsreichtum vollkommen aus: Betörend ist, wie leicht und ohne jegliches Pathos oder auch aufgesetzte Virtuosität das in Mozarts Todesjahr 1791 uraufgeführte Werk erklingt: mit wunderbaren Kontrasten der Artikulation, geheimnisvoll abgeklärten Klangfarben, die in den Mollteilen in schattenhafte, regelrecht erschütternde Tiefen führen. In einem Interview hatte Widmann gesagt, bei der Musik handle es sich um „eine Schönheit, die man nicht mehr greifen kann“. Wie wahr und wie beglückend für die Hörer, wenn man das auch noch spielen kann.

Mit dem Dirigenten David Afkham und dem toll aufgelegten Orchester hat Widmann kongeniale Partner, die ihrerseits für einen berührenden Dialog sorgen. Auch die anderen Werke des Abends überzeugen durch eine furiose Energie: Die Trommelakzente in den ersten Takten von Ludwig van Beethovens Ouvertüre „Coriolan“ lassen das Publikum innerlich regelrecht aufspringen, und unbeschreiblich schön und immer homogen kostet Afkham die Gefühlskontraste aus, die den römischen Patrizier Coriolan bewegten. Zerrissen zwischen Rache und Treue zum Vaterland begeht er Selbstmord.

Ebenso energetisch geladen erklingt zum Schluss Antonín Dvoráks 7. Sinfonie, op. 70, 1885 in London uraufgeführt. Afkham verführt das Orchester hier zu einer temperamentvollen und leidenschaftlichen Synthese zwischen der tschechischen Volksmusik - zum Beispiel der böhmische Tant Furiant als Scherzo - und der deutschen Sinfonietradition, zu der Dvorák unbedingt gehören wollte. 

Ohne Angst vor Pathos breitet Afkham riesige Klangskulpturen aus. Indem er vieles aus einer brodelnden Tiefe holt, schafft er eine anrührende Tiefe. Die Bläser im zweiten Satz wirken unvergesslich. Mit unbändiger Kraft immer an der Grenze zum kämpferischen Forcieren behält er aber Konturen mit aller Schärfe. Die Rosamunde-Musik von Franz Schubert ist eine verzaubernde Zugabe.

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