Weg vom Frontalunterricht

Die 43. Literarische Woche Bremen ruft die „Die digitale (R)evolution“ aus

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Datenstraßen gibt es auch in der Überseestadt.

Bremen - Von Rolf Stein. „Die Anderen“, „Herkunft & Identität“, „Der Mann in der Krise“, „Generation im Aufbruch“– seit 1976 rankt sich um die Verleihung des Bremer Literaturpreises die Literarische Woche, die jeweils ein aktuelles Thema in den Blick nimmt. So natürlich auch in diesem Jahr. Und es scheint ein besonders brennendes zu sein. Auch wenn es sich offenbar eher in der Sachliteratur als in der Belletristik niederschlägt: „Die digitale (R)evolution - Von Rolf Stein. Traum oder Albtraum?“ heißt das Thema, das anscheinend bislang eher einen sachlichen Zugang inspiriert.

Das ist für die Literarische Woche zwar ungewöhnlich, aber auch nicht völlig neu. Barbara Lison, Geschäftsführerin der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung in Bremen und Mitglied in der Jury Bremer Literaturpreis, erinnert sich beim Pressetermin zur diesjährigen Ausgabe des Literaturfestivals unter anderem an den Schwerpunkt „Gier und Gefühl“, der sich 2013 mit der Finanzkrise auseinandersetzte.

Wobei das diesjährige Thema da vielleicht doch noch greifbarer ist. Die Digitalisierung schreitet schließlich nicht nur in der Arbeitswelt längst machtvoll voran, sondern auch im privaten Alltag bis hinein ins Kinderzimmer. Es spricht für das Programm der 43. Literarischen Woche, dass sie vor der Welt der Computerspiele nicht zurückschreckt. Eines der beliebtesten seiner Art ist „Minecraft“, dass sich seit seiner Erstveröffentlichung mehr als 150 Millionen Mal verkauft hat. Der Bruchhausen-Vilsener Fabian Lenk beschäftigt sich in seinem Roman „Gefangen in der Welt der Würfel“ mit dieser Spielwelt.

Aus der erwähnten Welt der Sachliteratur kommt Manfred Spitzers Buch „Die Smartphone-Epidemie“, das der Autor am Sonnabend, 26. Januar, 10.30 Uhr in der Zentralbibliothek vorstellt. Jenseits klassisch kulturpessimistischer Diagnosen untersucht Spitzer die gesundheitlichen Folgen des Kommunikationsmittels Nummer eins. Wobei, auch das ein Kennzeichen dieser Literarischen Woche, die Möglichkeit zum Gespräch ausdrücklich vorgesehen ist.

Vom Frontalunterricht längst abgerückt ist die mittlerweile traditionelle Offene Bühne, die das Bremer Literaturkontor ausrichtet. Im Neustädter Kulturzentrum Kukoon können zwölf Bremer Autoren am Donnerstag, 24. Januar, 20.30 Uhr unter dem Motto „Digital ist besser?!“ eigene Texte zum Thema vortragen. Anmelden können sie sich dafür am nämlichen Abend zwischen 19.45 und 20.15 Uhr mit thematisch einschlägigen Texten jeglichen Formats und Genres, solange selbige nicht mehr als sieben Minuten Vorlesezeit in Anspruch nehmen.

Auch Workshops gehören zum Programm, für Schulklassen, aber auch für Erwachsene. Am Mittwoch, 30. Januar, eröffnet sich in der Zentralbibliothek die Möglichkeit, per Virtual-Reality-Brille beispielsweise über den Grand Canyon zu fliegen.

Untrennbar mit der Digitalisierung verbunden ist die Künstliche Intelligenz, mit der sich wiederum durchaus beunruhigende Phänomene wie die mutmaßliche Manipulation von Wählern durch Bots in den sogenannten sozialen Netzwerken verbinden. Dass sie aber auch Gedichte schreiben können, demonstriert der „Eloquentron3000“ von Slam-Poet Fabian Navarro mit seiner Kollegin Selina Seemann am Donnerstag, 24. Januar, 18 Uhr in der Zentralbibliothek.

Neu an Bord der Literarischen Woche ist in diesem Jahr die Kulturkirche, dem Buch an sich gewissermaßen schon von Haus verpflichtet. Hier unternimmt Matthias Bickenbach, Professor für neuere deutsche Literatur an der Universität Köln, am Dienstag, 29. Januar, 19 Uhr einen „Versuch über die Zukunft des Lesens“. Denn nicht allein das Buch der Bücher befindet sich im Zuge der Digitalisierung bekanntlich in einer Umbruchsituation.

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