Vorstellung des neuen Programms 

Fröhliche Anarchie und „Fake News“ im Sprengel Museum 

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Inklusive Unbehaglichkeit: Ab 27. Januar im Sprengel-Museum in Hannover zu sehen.

Hannover - Von Jörg Worat. Große Pläne für 2018 hat das Sprengel-Museum in Hannover – wie sich das für ein Haus geziemt, das just mit dem Titel „Museum des Jahres 2017“ ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt des neuen Programms stehen drei große Schauen in der Wechselausstellungshalle. Zunächst wird vom 27. Januar bis 6. Mai Rineke Dijkstra gewürdigt – die Niederländerin hat den internationalen Spectrum-Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen gewonnen.

Ein wichtiges Motiv bei ihren Porträtdarstellungen ist die Frage nach der „Natürlichkeit“, die ja als fotografisches Ideal gilt und bekanntlich so schwer zu erreichen ist. Dijkstra interessiert sich gerade für die Tatsache, dass die Fotografierten sich ihrer Situation bewusst sind und dies in die Körpersprache einfließen lassen, inklusive aller Anzeichen von Unbehaglichkeit. Eine Premiere bei der Sprengel-Präsentation ist, dass die Künstlerin ihre Arbeiten in Bezug zu Werken aus der hauseigenen Sammlung setzt, etwa Gemälden von Max Beckmann oder Alexej von Jawlensky.

Regelmäßig im Sprengel-Museum vertreten ist das Künstlerpaar Ella Bergmann-Michel und Robert Michel, und doch wird dessen Schaffen nie so richtig zur Kenntnis genommen. Das soll sich nun gründlich ändern, wenn diesen Pionieren der Moderne vom 26. Mai bis zum 2. September eine große Schau gewidmet wird. Architektur, Typografie, Werbung: Das gut mit Kurt Schwitters befreundete Paar war für alle Bereiche offen und entwickelte vor allem in den 20er-Jahren eine Bild-Collagetechnik, in der die Einbindung technisch anmutender Elemente für eine höchst individuelle Ästhetik sorgte.

Fröhliche Anarchie steht zu erwarten, wenn das Sprengel-Museum in Kooperation mit der Wiener Albertina vom 22. September bis zum 13. Januar 2019 deutschlandweit erstmalig eine Ausstellung der Österreicherin Florentina Pakosta zeigt, die am 1. Oktober ihren 85. Geburtstag feiert. Ihr Werk hat eine feministische Basis und ist auffallend vielseitig: Die Bilder können zu Toilettenschüsseln mutierte oder mit Schraubstock und Wasserhahn verfremdete Köpfe zeigen, aber auch stark farbige Balken-Abstraktionen oder ein Meer aus Schuhen. Langweilig dürfte es in dieser Schau zumindest kaum zugehen.

Ein Höhepunkt unter den zahlreicheren kleineren Ausstellungen könnte „Fake News“ werden, der Start ist für den Februar geplant. Die ewig interessante Frage, wie ein Original als solches erkennbar ist, wird hier aufgegriffen, indem man Arbeiten hinzugesellt, die nach aktueller Einstufung als Repliken, Fälschungen oder Kopien gelten – dabei soll der jeweilige Forschungsstand sorgfältig dokumentiert werden. Auch das Schaffen des Hannoveraners Dirk Dietrich Hennig, der gerne komplette Künstlerbiografien erfindet und damit in der Kunstwelt schon für einige Verwirrung gesorgt hat, spielt hier eine Rolle.

Und gewiss lohnt sich ein Blick auf die weniger spektakuläre, dafür aberfeinsinnige Schau „Rudolf Jahns: Zuflucht Landschaft“, die für die Zeit vom 7. Februar bis zum 15. April 2018 angesetzt ist. Jahns (1896 bis 1983) war ein zentrales Mitglied der bedeutenden Künstlergruppe „die abstrakten hannover“, von landschaftlichen Motiven mochte er gleichwohl nicht lassen: „Die Natur war meine erste Geliebte“, formulierte er einst. „Ich bin ihr bis heute nicht untreu geworden.“

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