Suzanne von Borsody widmet der großen Malerin Kahlo in Bremen ein Soloprogramm

Frida auf Erden

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Reine Worte einer Schmerzensfrau: Suzanne von Borsody ist Frida Kahlo.

Bremen  - Von Andreas Schnell. Spätestens seit dem Film „Frida“ mit Salma Hayek  in der Titelrolle ist die 1954 gestorbene Malerin Frida Kahlo  auch einer eher kunstfernen Öffentlichkeit ein Begriff. Sie eignet sich ja auch bestens zur Projektionsfläche für allerlei Ideen, als Frau, als Mexikanerin mit ausgeprägtem Hang zu präkolumbianischen Motiven, als Kommunistin und – nicht zuletzt – als Schmerzensfrau.

Zwar scheint sich der große Rummel um die Malerin längst wieder gelegt zu haben. Die Schauspielern Suzanne von Borsody allerdings befasst sich ungeachtet dessen seit einigen Jahren mit Kahlo. Und als sie am Sonntagabend ihr Kahlo-Programm in der Glocke vorstellte, war der Saal beinahe ausverkauft.

Das künstlerische Werk und die politischen Ansichten Kahlos, die sich immerhin als Marxistin verstand, kommen hier übrigens höchstens am Rande vor. Borsody hat ihr Programm, dass auch auf CD erschienen ist, vor allem aus Tagebüchern und Briefen Kahlos zusammengestellt. Weshalb es am Sonntag neben ihrer Krankheitsgeschichte nicht zuletzt um ihr Liebesleben ging.

Natürlich kommt man auch da um die Kunst und die Politik nicht ganz herum. Schließlich verkehrten Kahlo und ihr Mann bekanntlich unter anderem mit dem russischen Revolutionär Trotzki, mit dem Kahlo auch eine Affäre gehabt haben soll. Und natürlich kann solch ein Programm auch nicht ganz ohne die Kunst auskommen.

Die gab es zwar zu sehen, zwischen Familienfotos auf eine Leinwand projiziert. Das mochte so etwas wie eine Einheit von Leben und Kunst suggerieren wollen, was als romantischer Gedanke verführerisch sein mag, aber eben doch vor allem Unterstellung ist. Ob es mit dem Verhältnis von Leben und Kunst etwas auf sich hat, geschweige denn, was es eigentlich mit Kahlos Kunst auf sich hat, dazu war im Grunde nichts zu erfahren.

Nun ist Frida Kahlos Leben wahrlich abenteuerlich und dramatisch genug, und ihre Schilderungen von Zusammentreffen mit Größen wie Miró, Picasso, Breton und Kandinsky, die sie in Briefen als „Großscheißer des Surrealismus“ schmähte, haben fraglos Unterhaltungswert. Und natürlich ist Suzanne von Bordosy eine Schauspielerin von Format, der es gelingt, die verschriftlichten Gedanken Kahlos in lebendige Rede zu verwandeln.

Und weil das aber über 90 Minuten dann vielleicht doch ein bisschen zu viel der reinen Worte wäre, lässt sich Borsody vom Trio Azul begleiten, das erfreulich subtil Akzente setzte, Stimmungen schafft, mit ein paar Liedern den Abend strukturiert, wobei kulturhistorisch mehr als nur ein bisschen fraglich ist, ob ein brasilianischer Bossa Nova in einem Programm über eine mexikanische Künstlerin mehr zu leisten vermag, als ein bisschen lateinamerikanisches Farbe ins Spiel zu bringen.

Als Kahlo 1954 mit gerade mal 47 Jahren starb, musste die Welt noch ein paar Jahre auf den Bossa Nova warten. Der Begeisterung des Publikums taten derlei Kleinigkeiten allerdings keinen Abbruch. Liebesgeschichten verkaufen sich nunmal traditionell besser als sachliche Erörterungen zur Kunst oder zum Kommunismus.

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