„Meister der Coolness“: Kestner-Gesellschaft zeigt Werke des Pop-Art-Künstlers Alex Katz

Frei von Bedeutung

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Alex Katz: „Sandra 2“, 1986. ·

Hannover - Von Wilfried DürkoopDer jung gebliebene 84-jährige amerikanische Maler Alex Katz reicht herüber aus den großen Jahren der Pop-Art. Der jüngeren Malergeneration gilt der „Meister der Coolness“ als Kultfigur. Die hannoversche Kestner-Gesellschaft stellt seinen „Naked Beauties“ eine Reihe von Stadtlandschaften gegenüber.

Anfang der 1950er Jahre schreckte Alex Katz zusammen mit Roy Lichtenstein oder Andy Warhol die Kunstwelt mit ikonenhaft aufdringlichen Bildern auf. Wie sie wurde er zum Star der Pop Art.

Katz‘ wichtigstes Thema sind weibliche Akte. Die, zuweilen angeschnitten, wirken distanziert und kühl, scheinen, in Unbestimmtes zu blicken, von Wehmut oder spröder Einsamkeit heimgesucht. Sie stehen oder tänzeln, perlweiß oder sonnengebräunt, scharf konturiert vor meist hellgrauen, sonnengelben, grünen oder braunen Hintergründen, die der Künstler in einer strengen, ruhigen Harmonie hält. Katz verzichtet auf die fotografisch genaue Malweise des Realismus zugunsten großzügiger flächiger Formen. Zuweilen werden Arme zu Stöcken, Hände zu Klumpen. Er malt „Nass-in-Nass“, so dass der Farbauftrag dünn bleiben kann.

Die Frauen sind unnahbbar, zeigen „appearance“, nur die Erscheinung, nicht die Wahrheit dahinter. Gewöhnt, sonst mit vielerlei Aussagen bedient zu werden, sieht sich der Betrachter einem Mangel an Aufregendem oder gar Vitalem gegenüber. Der Künstler beabsichtigt dergleichen auch gar nicht. „Meine Bilder“, sagte er einmal, „haben keine Inhalte, sind frei von Bedeutung. Sie wollen durch ihren Stil bestechen“. Ihm liegt es eben nicht, Unbewusstes zu beschwören oder Rätselhaftes auch nur anzudeuten.

Katz, der schon mal am New Yorker Times Square 23 Porträts zu riesigen Farbflächen aufblies, die sich dort gegen die Architektur, die Werbung für Autos und Getränke und das Gewimmel der Großstadt behaupteten, findet auch Gefallen an Stadtansichten, die manchmal Ausblicke aus seinem Atelierfenster darstellen. Auch hier sind manche Parallelen zu den Körpern zu erkennen – etwa die Fragmentierung oder extreme Nahsichten. Und hier findet sich, durch Licht und Schatten hervorgerufen, eine Andeutung von Plastizität.

Die Malerei Alex Katz‘ erschient in dieser Ausstellung als einfach, aber eindeutig und sein Stil als schwungvoll.

Kestner-Gesellschaft, Hannover. Bis 5. Februar 2012. Der Katalog, erschienen im Kerber Verlag, kostet in der Ausstellung 39 Euro.

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