Opernsaison zu Ende

„Carmen“ in Oldenburg: Französisch ist das neue Spanisch

Freiheit ist wichtiger als Treue: Carmen küsst Don José, leidenschaftlich, aber nicht für lang. - Foto: Stephan Walzl
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Freiheit ist wichtiger als Treue: Carmen küsst Don José, leidenschaftlich, aber nicht für lang.

Oldenburg - Von Rolf Stein. Pünktlich zum hereinbrechenden Sommerwetter ein Spanien-Stoff, der von nicht gerade geringer erotischer Sprengkraft ist –perfektes Timing, könnte man sagen. George Bizets Klassiker „Carmen“ beendet in Oldenburg die Opernsaison.

Und Regisseur Robert Lehmeier, der vor Kurzem in Bremerhaven Manfred Gurlitts „Wozzeck“ inszenierte, gibt sich am Staatstheater nicht unbedingt zimperlich, wenn es um den sexuellen Gehalt der Geschichte geht. Da reiten die Damen mit rotierendem Unterleib auf den Herren herum, und Carmen zeigt ihrem Verehrer eine Lektion über die Lust an sich, die gewiss nur deshalb auf der ehrwürdigen Bühne des Staatstheaters gezeigt werden darf, weil das Publikum sich den entscheidenden Teil denken muss.

Über der Bühne (Stefan Rieckhoff) prangt das Wort „L’amour“, ein Schriftzug, der zugleich deutlich macht, dass es hier eben doch nicht um jene Liebe geht, sondern um die Inszenierung davon. Das Theater, in dem wir als Publikum sitzen, setzt sich auf der Bühne fort, während diese Bühne selbst zur Arena wird. Dort trägt sich der Kampf zwischen der freiheitsliebenden Carmen und den Männern zu, die sich um die schöne Bohemienne bemühen, die – übrigens auch in Oldenburger Übertiteln – bis heute gern als „Zigeunerin“ geführt wird. 

Lehmeier ist nun keiner, der versuchen würde, Klischees weiträumig zu umfahren. Im Gegenteil: Er macht sie direkt zum Thema. Weshalb eben Carmen Theater spielt, weshalb die gelegentlich übergriffige Männerwelt aus Frack tragenden, vergnügungssüchtigen Bürgern besteht, weshalb auch über der Bühne „L’amour“ steht – und nicht „Amor“, was ja deutlich spanischer wäre. Damit führt Lehmeier „Carmen“ auf ihre musikhistorische Lage an der Schnittstelle zwischen komischer Oper und Operette. Und die war in ihren Anfangstagen so etwas wie die Schmuddelecke des Amüsierbetriebs. Das ist dann schon schlüssig, auch wenn es sich gelegentlich im Gewimmel der Bühne verläuft.

Musik ist tadellos

Tadellos allerdings die Musik. Ganz zuvorderst Melanie Lang als Carmen und Evan LeRoy Johnson, der in Oldenburg sein Deutschland-Debüt feiert, nutzen die Möglichkeiten weidlich aus, die ihnen ihre Partien bieten, wobei Johnson seiner Partnerin regelrecht die Schau stiehlt.

Während auch auf den anderen Positionen (erwähnt sei noch Anna Avakians Verkörperung von Carmens Nebenbuhlerin Micaela) primabis toll gesungen wird, unterlegt das Oldenburgische Staatsorchester unter Hendrik Vestmann das Geschehen nuanciert. Wozu, versteht sich, temperamentvolle Wiedergaben der vielen berühmten „Carmen“-Melodien gehören.

Nächste Vorstellungen: 1., 3. und 7. Juni, jeweils 19.30 Uhr, Großes Haus, Staatstheater Oldenburg.

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