Die Fragen der Menschheit

Oper „Die Nacht der Seeigel“ wird in Hamburg uraufgeführt

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Im schönen Blau bleibt doch nur Einsamkeit.

Hamburg - Von Ute Schalz-laurenze. Drei Komponisten, drei Librettisten, zwei Regisseure, zwei Dirigenten (und zusätzlich zwei einstudierende Dirigenten), drei Bühnenbildner: Kann das für die Uraufführung einer Oper gut gehen? Es sind jedenfalls die Bedingungen für eine Förderung der „Akademie Musiktheater Heute“ der Deutschen Bank Stiftung. Nun wurde die jüngste Produktion, „Die Nacht der Seeigel“ in Zusammenarbeit mit der Staatsoper Hamburg uraufgeführt: Die Zusammenarbeit der Anfang 30-Jährigen funktionierte.

Das Thema ist zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, der Produktionsstab hat sich mit dem sozialen Verhalten der Seeigel auseinandergesetzt und einen Forscher zu einer Hauptperson gemacht. Dieser möchte herausfinden, wie es mit dem Sozialleben der Seeigel steht. Er behauptet, dass die Menschen von den Seeigeln abstammen und nach dem Tod wieder zu ihnen werden – weswegen er seine Familie verlässt. Seine These, zu der das Stück und die Inszenierung keine wertende Stellung beziehen, gibt den Raum vor für die Einsamkeit des Forschers und die zweier weiterer Hauptpersonen: Der schwangeren Frau, die nach ihrer Verbundenheit mit dem ungeborenen Baby fragt und dem jungen Mann, der seine Geliebte verlässt und draußen in der Einsamkeit schier umkommt. Eine imaginäre Überschwemmung am Ende lässt die drei – es handelt sich um drei Generationen einer Familie – zusammenkommen, um ihre Verbindung etwas zu regressiv mit vielen Rufen nach Mama und Papa erneut beschwören. Allerdings nur für den Moment, sie fliegen erneut selbstständig und isoliert aus: Von den Seeigeln weiß man um solche zeitweise Ballungen einer ganzen Gruppe.

Die mexikanische Sängerin und Komponistin Diana Syrse, die chinesische Komponistin Huihui Cheng und der russische Geiger, Performer sowie Komponist Mischa Tangian haben die Musik – jeder eigene Teile – für ein siebenköpfiges gemischtes Ensemble geschrieben, das die hochprofilierten Mitglieder des Hamburgischen Staatsorchesters bilden. Unter der Leitung von Ulrich Stöcker entfalten sie ihre bunte und narrative, teilweise auch illustrative Musik, die meist präzise den Psychogehalt der Szenen trifft.

Die Musik von allen Dreien ist außerordentlich vokallastig, verlangt in Soli, Duetten und Terzetten hochvirtuoses und steht damit ganz in der Tradition der Oper. Neues wird hier nicht versucht. Dem sind Na’ama Shulman als die Frau, Hiroshi Arnako als der Mann und Gabriele Rossmanith hinreißend und spannungsvoll gewachsen. Ein Bühnenbild gibt es nicht, dafür eine suggestive Idee: ein aufblasbarer blauer Untergrund als so eine Art Wasser. Eine sehens- und hörenswerte Aufführung.

Weitere Termine

Dienstag, Donnerstag sowie am Samstag, 20 Uhr, Opera stabile, Hamburg.

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