Fragen des Menschen: „Circus Quantenschaum“ in der Shakespeare Company

Was für ein Zirkus

+
Was geht im Gehirn vor? Der „Circus Quantenschaum“ versucht, darauf Antworten zu finden.

Bremen - Von Andreas Schnell. Was ist ein Gefühl? Wo sind meine Erinnerungen, wenn ich sie nicht mehr habe? Ist Led Zeppelin eine Frage des Bewusstseins? Fragen, die selbst die Gehirnforschung bis heute nicht beantworten kann.

Wie überhaupt das Verhältnis des schwärzesten Gedankens und dessen Materialisierung durch die Tat zwar logisch zu erfassen sein mag, aber die Wissenschaft unablässig grübeln lässt. In anderen Worten: Wir können zwar durchaus ins Hirn hineinschauen. Aber Gedanken hat darin bislang noch niemand sehen können.

Immerhin: Jeder Gedanke, jedes Gefühl geht mit messbaren Vorgängen im Gehirn einher. Was vor Jahren den Bremer Biologen und Hirnforscher Gerhard Roth auf den Gedanken brachte, so etwas wie einen freien Willen gebe es nicht, weil das Gehirn das Verhalten steuere, der Mensch also Exekutive seiner Biologie sei. Eine These, die Roth mittlerweile selbst relativiert hat, wobei die Frage in diesem Sinne ungeklärt bleiben muss, ob er das aus freiem Willen tat, oder ob ihm die Biologie einen Streich spielte.

Dieser Relativität seiner Theorie mag es nun geschuldet sein, dass sich Roth zwar als Schirmherr zur Verfügung stellt, wenn der „Circus Quantenschaum“ zum zehnten Geburtstag ein Wiederauflage erlebt, sich aber inhaltlich darin nicht betätigt. Das hat vor allem die Schriftstellerin und Regisseurin Judith Kuckart besorgt, die den neuen Abend mit dem Titel „Und wann kommen die Elefanten?“ entwickelt hat. Die Elefanten kommen zwar, aber Tiere gibt es in diesem Zirkus dennoch nicht.

Als Bremen „Stadt der Wissenschaft“ war, rief die Bremer Shakespeare Company den „Circus Quantenschaum“ ins Leben, um die Quadratur des Kreises, genauer: die Vereinigung von Wissenschaft und Kunst ins Werk zu schaffen. Nach Quantenphysik und Entropie geht es nun also ans Eingemachte, oder, wie es die Ankündigung so schön formuliert, um das „Organ, auf das wir uns am meisten einbilden“.

Für das Material ihres Abends hat Kuckart den schönen Begriff der „Hirnlichkeit“ gefunden. Als Schriftstellerin interessiere sie vor allem die Frage, „was der Stoff ist, aus dem wir sind“. Wobei „Und wann kommen die Elefanten?“ nicht so vermessen ist, darauf Antworten geben zu wollen. Einen Menschen, sagt Kuckart, machen schließlich vor allem seine Fragen aus. Sie hegt indes immerhin die Hoffnung, dass durch die poetische Aufladung der Thematik ein anderer Zugang zur Wissenschaft möglich ist. Jener Wissenschaft, von der unsereins sonst bestenfalls die erfassbaren Ergebnisse zur Kenntnis nimmt.

Dabei hat sich Kuckart durchaus intensiv mit der Materie befasst. Sie absolvierte ein Praktikum bei der Neurobiologin, Psychiaterin und Pianistin Hanna Monyer am neurobiologischen Institut in Heidelberg. Und sie lud den Publizisten Matthias Greffrath als „wissenschaftliche Fachkraft“ ein. Dieser steht nun fünf Abende mit einem Clown, einer Musikerin und Ensemblemitgliedern und regelmäßigen Gästen der Company auf der Bühne, und umkreist die großen Fragen – nicht selten mit der Gitarre in der Hand. Ganz ohne Antworten wird man übrigens doch nicht heimgeschickt: Immerhin erfahren wir unter anderem, warum wir uns selbst nicht kitzeln können.

„Circus Quantenschaum“, „Und wann kommen die Elefanten?“: Heute bis zu Dienstag (außer sonntags), um 20 Uhr, Shakespeare Company, Theater am Leibnizplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

US-Sanktionen gegen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

US-Sanktionen gegen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

Wir sind die Generation Sandwich, na und?

Wir sind die Generation Sandwich, na und?

Weihnachtsgeschenke gekonnt loswerden

Weihnachtsgeschenke gekonnt loswerden

New-York: Das bietet der Reichen-Rummel Hudson Yards

New-York: Das bietet der Reichen-Rummel Hudson Yards

Meistgelesene Artikel

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Einmal Virtualität und zurück

Einmal Virtualität und zurück

Entwickelter Alltag

Entwickelter Alltag

Viel mehr als nur Realität

Viel mehr als nur Realität

Kommentare