Findus veröffentlicht EP „Quatscherei“

Alltagsenergie trifft wütenden Pop

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Die EP „Quatscherei“ von Findus kommt nur digital und auf Vinyl heraus.

Hamburg - Von Pascal Faltermann. Es ist ein Ende. Ein Ende mit Anfang. Nur zehn Monate nach dem Album „Vis a vis“ (März 2014) legt die Band Findus die EP „Quatscherei“  nach. Damit endet die Geschichte des Hamburger Labels Delikatess Tonträger, das die Musiker selbst mitgründeten.

Die Arbeit wird eingestellt, aber ein neues Kapitel aufgeschlagen. Konkret geht es mit bisher vier unveröffentlichten Liedern weiter. 

Mehr als 85 Clubkonzerte und Festivalauftritte haben Findus-Texter Lüam, Schlagzeuger Timo Meinen, die Gitarristen Danny Steinmeier und Kristian Kühl sowie dessen Bruder, Bassist Stefan Kühl, seit März auf dem Buckel. Live-Routine, die sich auch auf der EP widerspiegelt.

Das ständige Unterwegssein und Spielen beeinflusste den Umfang der Veröffentlichung: Die EP mit vier Songs ist größer als eine Single, kleiner als ein Album. Vier Stücke nur, dafür ausschließlich auf Vinyl – ein unterbewertetes Format. Um die Handlung des Song-Quartetts der EP zu erzählen, fertigte die Band einen 18-minütigen Film an. 

Findus-Musik ist quirlig und ungeduldig, überall und nirgends. Zwischen  Indiediscopunk und intelligenter Rockmusik einzuordnen. Ein bisschen Post-Punk hier, wütender Pop da. Dazu textlich ein geschickter Wechsel zwischen politischen und persönlichen Themen, verschiedenen Erzähl-Elementen und zahlreichen Metaphern. Deutlich wird, wie Findus ihren Weg selbst definieren, auf Tour mit Freunden ohne irgendwem Rechenschaft abzulegen. Sie kosten das unberechenbare, intensive Leben vor, auf und neben der Bühne aus. Sie saugen Energie auf, wo es für viele andere nur Alltag gibt, und packen diese in Musik.

Die Meinung Anderer spielte in ihrem Kosmos kaum eine Rolle. Labels gehen nach Zahlen, Konzertveranstalter und Festivals nach Namen und Journalisten verwalten Inhalt. Findus versuchen, sich dem zu entziehen und halten den Kreis um sich herum möglichst klein. Das Label wird mit Freunden betrieben (Delikatess Tonträger), die Musikvideos und Lieder mit alten und neuen (Schul-)Freunden (Aron Krause und Joachim Zunke) erschaffen.

Koordinaten zur Verortung des Musikstils wären Gruppen wie Herrenmagazin oder Frau Potz,  die beide auch auf Delikatess Tonträger ihre Sachen veröffentlichten. Aber auch Turbostaat oder Kettcar dürfen hier angeführt werden. 

Die Songs zeigen die Facetten der Band. Mit „Hafenklang“ haben die Musiker eine melodiös-rockige Ode an den gleichnamigen Hamburger Club geschrieben. Das Titelstück „Quatscherei“ ist punkiger, rotziger und erinnert an das zweite Album „Mrugalle“. Es geht um Langeweile. Laut und direkt wird diese angeprangert. „Handflächen“ ist die erwartete Indiediscopunk-Nummer, ein Großstadtlied. Eine schwere, polternde Strophe mit einem explosiven, energiegeladenen Refrain zum Mitsingen und einem Outro, in dem sich die ganze Energie entlädt.

Außerdem der nachdenkliche Song „Gold“. Autobiographisch erscheint das Stück, welches das Losfahren voller Euphorie, aber auch die Unsicherheit und die depressiven Momente aufzeigt. Den Ehrgeiz, das Arbeiten und die Leidenschaft. All das, was mit der Band, ihrer Musik und dem Label passiert, hat die Zeile „Alles wird Gold und alles wird leer“ in sich. Es ist ein Anfang.

Findus „Quatscherei“, nur als Vinyl oder digital, zehn Euro, Veröffentlichung am 23. Januar bei Delikatess Tonträger.

Konzert am Donnerstag, 29. Januar, 20 Uhr, Tower Musikclub Bremen.

Homepage von Findus

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