Fünf Label in einer Box: „Progressive Rock“mit Klassikern, Kultigem und Raritäten

Fetzig, zickig, schräg

Kreiszeitung Syke
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Hannover - Von Jörg Worat. „Prog Rocks!“: Unter diesem Titel waren bislang zwei Doppel-CD-Sampler herausgekommen. Offenbar erfolgreich genug, um jetzt eine Fünfer-Box nachzuschieben, die eine ganze Reihe interessanter Aspekte vereint.

So ist jede CD einem Label zugeordnet: Harvest, Charisma, Virgin, Liberty und InsideOut. Folglich sind Prog-Pioniere wie King Crimson oder Jethro Tull, die auf einer solchen Zusammenstellung vielleicht zu erwarten wären, aber eben andernorts aufgenommen haben, nicht vertreten. Die Einbindung von InsideOut mit Spock’s Beard und anderen aktuellen Bands macht zudem deutlich, dass man hier nicht nur auf die Nostalgiker zielt, sondern auch untersuchen will, was „Prog“ heutzutage bedeuten kann.

Die Definitionsfrage hat ein paar Tücken – als Abkürzung von „Progressive“ ist die Bezeichnung nur schwer nach eindeutigen Kriterien aufzudröseln. Verstanden wird darunter üblicherweise Musik, die aus den gängigen Rock-Schemata ausbricht, sei es in Sachen Besetzung, sei es beim Arrangement, im Aufbau des Stücks und/oder in rhythmisch-harmonischer Hinsicht. Das lässt nun allerdings mancherlei Deutungen zu, und die Labels haben durchaus jeweils eigene Vorlieben gepflegt: Bei Harvest gibt es einen gewissen Hang zu folkigen Einflüssen, bei Virgin zu Space- und Jazz-Elementen. Unter dem Strich ist diese Zusammenstellung erfreulich breit gefächert, auf die Gefahr hin, dass die Grenze zuweilen überschritten wird. Die Hit-Parodie der Pop-Anarchisten von der „Bonzo Dog Band“, der Beitrag des nach wie unterschätzten Songwriters Kevin Coyne – er starb 2004 in Nürnberg –, der Stampfrocker von Deke Leonard: alles feine Musik, aber kein Prog.

Einige Klassiker sind vertreten, gerne zusammen mit Spin-Offs. So steuert die Band Van Der Graaf Generator das hymnische „Theme 1“ bei, ihr Sänger Peter Hammill das Stück „Red Shift“. Von The Nice gibt es den bekannten „Country Pie“, dazu aber auch ein unter eigenem Namen veröffentlichtes Häppchen des Keyboarders Keith Emerson und einen (allerdings recht belanglosen) Titel von Jackson Heights, der Band des Bassisten/Sängers Lee Jackson.

Mit dem Obskuritätsgrad steigt möglicherweise das Hörerinteresse. Die Anfangszeit der Gruppe Gong samt ihrer ziemlich albernen, aber keineswegs reizlosen Privatkosmologie dürfte vielen Progheads noch geläufig sein. Wie aber steht’s etwa mit Pete Brown? Bekannt durch seine Texte für Cream im Allgemeinen und Jack Bruce im Besonderen, ist er hier als Sänger der Band Piblokto! zu hören, die trotz Browns eher dünner Stimme einen angenehm zickigen Groove entwickelt. Erfrischend fetzig kommt der schräge Sound der Kultband Capability Brown daher, und endgültig seltsam wird’s beim Dramolett „Mountains“ von Robert John Godfrey – als sei ein hochvirtuoser Pianist unvermittelt durchgedreht. „Dawn“ von Slapp Happy mit der charismatischen Sängerin Dagmar Krause macht deutlich, dass es sogar so etwas wie Prog-Pop gibt.

Und wie schlagen sich im Vergleich die Zeitgenossen? Die InsideOut-CD klingt zugleich professioneller und glatter, hat aber unbedingt ein paar Perlen zu bieten: „Nighttime Sky“ von Enchant ist sehr kitschig und sehr schön, Arjen Anthony Lucassen vereint in „Lost in the New Real“ Elemente von Klassik bis Metal und bringt in zehn Minuten mehr Ideen unter als andere auf einem kompletten Album.

Die Box ist zur Zeit für kleines Geld zu haben. Da sie aber als „Limited Edition“ beworben wird, muss das nicht so bleiben.

Prog Rocks! (5 CDs, EMI)

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