Organisatoren kleiner niedersächsischer Festivals schlagen Alarm

„Wir werden gar nicht wahrgenommen“

Dichtes Gedränge vor der Bühne beim Heimatfestival in Scheeßel.
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Wird es wieder so sein? Ein Bild vom Heimatfestival 2019 in Scheeßel.

Was passiert diesen Sommer mit den kleinen und großen Festivals in Niedersachsen? Können sie stattfinden oder müssen sie ausfallen? Fragen, die vom Land unbeantwortet bleiben. Auf der Suche nach Klärung hat sich nun eine Arbeitsgruppe gebildet, die auf die prekäre Lage aufmerksam machen möchte.

  • Unsicherheit verhindert konkrete Planungen.
  • Wunsch nach umfassenden Fördermodellen.
  • Alternativen zu Inzidenzzahlen gefordert.

Hannover – Sie steigen im Watt, auf dem Deich, in der Heide, am Fluss oder hinter dem Berg – neben den etablierten Mammutveranstaltungen sind es gerade die kleineren und mittelgroßen Festivals, die seit einigen Jahren zunehmend die Livemusik Szene bereichern. Und deren Organisatoren stehen nicht erst seit gestern in den Startlöchern für die Planung der Open-Air-Saison 2021.

Doch die ist angesichts der unsicheren Situation in Gefahr, sowohl in puncto akuter Fragen wie: „Können wir Künstler buchen? Mit wie vielen Besuchern dürfen wir planen, und können wir wirklich schon Dixiklos bestellen?“ als auch bei der existenzielleren Frage: „Lohnt es sich überhaupt, Pläne zu schmieden, Investitionen in Geld und Zeit zu tätigen?“Auf

Auf Probleme aufmerksam machen

Was vielen Machern fehlt, ist nicht nur eine einheitliche Grundlage für die Durchführbarkeit seitens der Behörden, sondern auch Gehör bei den Verantwortlichen. Nun hat sich eine Arbeitsgruppe niedersächsischer Open-Air-Festivals mit bis zu 15 000 Besuchern pro Tag gebildet, um in Zusammenarbeit mit dem Verband niedersächsischer Konzertkulturschaffender KlubNetz und dem Musikland Niedersachsen an Lösungen für Planungssicherheit im Umgang mit Festivals 2021 zu arbeiten.

Ihr Anliegen: Auf die Probleme der Branche aufmerksam zu machen. Dabei soll der Zusammenschluss helfen: „Wir werden als Akteure von der Politik gar nicht wahrgenommen“, meint David Binnewies vom „Appletree Garden“ in Diepholz. Johannes Teller, „Snntg“-Booker und einer der Initiatoren der Arbeitsgruppe, moniert: „In die Planungen werden wir nicht mit einbezogen, Gesprächsversuche unsererseits haben nicht gefruchtet.“ Die Arbeitsgruppe soll laut Binnewies im ersten Schritt dazu dienen, „von der Politik als Form der Kulturarbeit wahrgenommen zu werden.“

Eigene Expertise einbringen

Ihren Unmut und ihre Befürchtungen für den Festivalsommer tun mehr als 30 Veranstalter nun in einem Positionspapier kund, unterzeichnet von in der Szene renommierten Namen wie dem „MoynMoyn“ oder dem „HöpenAir“. Verbunden mit dem Angebot, die eigene Expertise der Veranstaltungsbranche und die Erfahrungen der vergangenen Monate beim Auflegen von Veranstaltungsrichtlinien und Förderprogrammen einzubringen, ist vor allem der konkrete Ruf nach Planungssicherheit.

„Es ist höchste Zeit“, meint Booker Florian Hastedt, dessen Festival „Mit Freunden“ im Mai unter den ersten der Saison ist. Normalerweise nehme die Planung acht bis zwölf Monate in Anspruch. Auch wenn er wie die meisten Organisatoren bereits Hygienekonzepte und ein Line-up in der Schublade hat, müssen zeitnah Entscheidungen fallen, oder wie Teller es formuliert: „Wir können nicht ewig ins Hypothetische planen!“ Bei beiden wird, sollte die Politik nicht mit konkreten Verordnungen reagieren, spätestens Ende März der Stecker gezogen.

Einheitlichkeit fehlt

Was beide monieren, ist auch die fehlende Einheitlichkeit zwischen den Bundesländern. Dass der Umgang mit Kultur ganz unterschiedlich gehandhabt wird, zeigt das Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns, das mit gutem Beispiel vorangeht: Zur Absicherung von Musikfestivals mit überregionaler Bedeutung erstattet das Land im Falle einer pandemiebedingten Absage 95 Prozent der Sachausgaben für Konzeption, Planung, Organisation und Durchführung.

Das weckt in Niedersachsen den Wunsch nach ähnlichen Fördermodellen. Die Finanzen sind gerade bei Veranstaltungen, die gemeinnützig organisiert werden, ein Knackpunkt. Satzungsgemäß ist es ihnen nicht erlaubt, nennenswerte Rücklagen zu bilden – ein Puffer, der gerade jetzt jedoch nötig wäre, um eine Absage einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Ein möglicher Ausweg: Die Erweiterung des Rahmens für die Rücklagenbildung für gemeinnützige Organisationen während der Pandemie – diese Forderung findet sich ebenfalls im Positionspapier.

Schnelle Klärung aller Fragen

Aber auch der Stufenplan des Landes, der das Verbot von Veranstaltungen an die Inzidenzzahlen koppelt, oder auch die willkürliche Festlegung der maximalen Besucherzahl werden moniert; gefordert wird ein von Inzidenzwerten unabhängiges Anrecht auf die Vorlage und die Prüfung der Infektionsschutzkonzepte. „Studien aus der letzten Saison belegen, dass Großveranstaltungen bei guter Belüftung sicher durchführbar sind, das sollte für Open Airs umso mehr gelten“, so Hastedt, dessen Konzept auch auf Schnelltests setzt. Einig sind sich wohl alle, dass es um eine schnelle Klärung aller Fragen geht: „Einige Veranstalter haben ihre Festivals schon abgesagt“, weiß Teller, „eine ausfallende Festivalsaison wäre ein harter Schlag für lokale Kultur, für regionale Kultur und für die Kultur in unserem Land.“

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