Berühmt seit 50 Jahren

Asterix feiert Jubiläum: Faustkampf, Wildschwein, Hinkelstein

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Cover des Jubiläumsbands „Asterix der Gallier“.

Syke - Von Jan-Paul Koopmann. Wir befinden uns im Jahr 50 vor Christus, ganz Gallien ist von den Römern besetzt – und die Chancen stehen ziemlich gut, dass Sie wissen, wie es weitergeht. Ganze 99 Prozent der Deutschen kennen Asterix, sagt jedenfalls der Ehapa-Verlag.

Auch wenn das bestimmt ungefähr hinkommen wird, ist der vom Verlag ausgerufene Asterix-Geburtstag dennoch ein guter Anlass, bei Zahlen ein wenig Misstrauen an den Tag zu legen: „50 Jahre Asterix“ steht groß auf der soeben erschienenen Jubiläumsausgabe des erstens Bandes „Asterix der Gallier“. Und das stimmt so natürlich nicht.

Gemeint sind 50 Jahre Asterix auf Deutsch, wie sich irgendwo ganz hinten, auf nichtmal der ersten von acht redaktionellen Sonderseiten herausfinden lässt. Und ganz richtig ist auch das nicht, weil vor der heute 50-jährigen Ehapa-Ausgabe bereits der unsägliche Fix-und-Foxi-Schöpfer Rolf Kauka an Asterix herumwütete, mit ekelhaften Witzchen über deutsche Schuldkomplexe und etwas harmloser verblödeten über sächselnde Ost-Goten. 

Das immerhin steht auch in dem kurzen, aber sehr lesenswerten Anhang von Volker Hamann, der diesen etwas bemühten (oder wenigstens: sehr verlagsintern gedachten) Geburtstag dann doch zu einer schönen Sache macht.

Zu Beginn Figuren behutsam entwickelt

Überhaupt: Feste soll man bekanntlich feiern, wie sie fallen. Und ein Fest ist Asterix ja wirklich, gerade in dieser ersten Phase, in der die Figuren noch behutsam entwickelt werden und eine damals noch mit finsterem Ernst beladene europäische Historie mit echtem Spaß zu neuem Leben erwacht. Die Erzähl- und Serientheorie nennt das heute „Worldbuilding“, damals war es aber noch deutlich mehr als eine erzählerische Notwendigkeit.

Schon vor den Nazis hatten ja alle möglichen Akteure nationalistischen Wahns irgendwann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begonnen, in den Germanen ihre vermeintlichen Vorfahren zu finden, oder besser: sie zu erfinden. Und der Sprung von diesen hart entschlossenen, sittsamen und kernigen Kriegern von einst war dann auch in Frankreich ein großer: hin zu dem untersetzten Asterix und dem dicken Rotschopf Obelix.

Politik aufs Korn nehmen

Es ist schon bemerkenswert, wie René Goscinny und Albert Uderzo diesen unglaublich belasteten Stoff in eine Serie formten, die nicht nur zeitgenössische Politik, das gerade zur Besinnung kommende Europa und dabei auch französische Heroen aufs Korn nahm – sondern obendrauf noch richtig lustig für Kinder war, die überhaupt nichts davon mitbekamen. Und witzig ist sogar heute noch, wie zum Beispiel dieser Römer da den falschen Zaubertrank trinkt und seitenlang über seine endlos wachsenden Haare stolpert.

Vielleicht ist das sogar noch wichtiger als die konkrete Politik in diesen Geschichten: sie in Witzen zu erzählen, die auch nach einem halben Jahrhundert noch richtig, richtig komisch sind – egal, ob nun 59, 53 oder eben 50 Jahre später.

René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix der Gallier - Jubiläumsausgabe, Egmont 2018, 56 Seiten, 7,50 Euro; www.egmont.de

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