Interview mit Bassist am Theater Bremen

Patrick Zielke bekommt den „Faust“

Bassist Patrick Zielke ist einer der Publikumslieblinge des Bremer Theaters.
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Patrick Zielke hat den „Faust“ für seine Rolle im Bremer „Rosenkavalier“ bekommen.

Patrick Zielke ist nicht nur Bremer Publikumsliebling und Hübner-Preisträger. Der Bassist hat nun auch den „Faust“ in der Kategorie „Sängerdarsteller Musiktheater“ für seine Rolle im „Rosenkavalier“ am Theater Bremen gewonnen.

  • Patrick Zielke war von 2013 bis 2018 festes Ensemblemitglied am Theater Bremen.
  • Heute gibt er ein Gastspiel pro Spielzeit.
  • 2015 hat Zielke den Kurt-Hübner-Preis für seine Leistungen am Musiktheater erhalten.

Bremen – Ob im „Barbier von Sevilla“, in „Die Meistersinger von Nürnberg“, in der „Zauberflöte“ oder im „Parsifal“: Die Intensität Patrick Zielkes unter die Haut gehenden Porträts ist unvergessen. 2015 erhielt der Bassist den Kurt-Hübner-Preis, nun bekam er für seine Rolle im Bremer „Rosenkavalier“ den renommierten Theaterpreis „Der Faust“. Ute Schalz-Laurenze traf Zielke zum Gespräch.

Sie haben den „Faust“ für die Interpretation des Ochs von Lerchenau aus Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ bekommen. Ich denke aber, es ist übergreifend ein Preis nicht nur für Ihre Begabung, sondern auch für Ihre Haltung gegenüber einer Rolle an sich. Wie haben Sie sich mit Regisseur Frank Hilbrich dem Ochs genähert?

Wir spielen eine vom Dirigenten Yoel Gamzou und Regisseur Hilbrich gekürzte Fassung, die das gesamte gesellschaftliche Drumherum weglässt und die Story auf die Hauptpersonen reduziert. Frank und Yoel mussten mich im Vorfeld ganz schön überzeugen, dass das aufgehen wird, da ich anfangs schon ein bisschen Zweifel hatte. Frank hatte ein paar Sachen von mir gesehen und dementsprechend hatte ich ein paar Vorschusslorbeeren und den Freiraum, erst mal „einfach zu machen“. Wichtig war ihm jedoch, keinesfalls gefühlsduselig mit der Musik umzugehen. Er hat einfach gesagt: „Mach! Das Monster darf nicht im Kitsch verloren gehen!“ Wir haben mit den Kürzungen alles schärfer gezogen, und dass das erkannt wurde, freut mich unglaublich!

Ich bin nicht die Erste, die Sie als Sängerschauspieler bezeichnet hat. Wie kam es, dass es Sie dermaßen krass auf die Bühne treibt?

Na ja, ehe ich zur Bühne kam, habe ich schon immer gern Menschen unterhalten, auf Familienfeiern, im Unterricht. Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, Leute zum Lachen zu bringen. Dann wurde die Stimme immer tiefer – also einen philosophischen Ansatz, warum ich Opernsänger wurde, gibt es eher nicht.

Die Anstrengung, die Gattung Oper aus dem Museum herauszuholen, ihr eine aktuelle Relevanz zu verleihen, kann man bei vielen Ihrer Kollegen und auch bei Regisseuren beobachten. Ich habe jedoch das Gefühl, dass Ihr Agieren auf der Bühne noch viel weiter geht.

Ich denke bei Theater in Extremen und gehe stets vom Schauspiel aus. Wir verhandeln in der Oper so große Stoffe und Geschichten, da muss es schon nachvollziehbar und realistisch zugehen. Mein Eindruck ist, dass die Sehgewohnheiten des Publikums sich durch Netflix, Kino und Co. stark gewandelt haben. Wenn man da konkurrenzfähig bleiben will, muss man schon aufs Ganze gehen.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie Regisseure sehr lang nerven, bis Sie deren Konzeptionen verstanden haben. Ich erinnere an ein Publikumsgespräch über Benedikt von Peters „La Bohème“-Inszenierung, bei dem eine Zuschauerin Sie fragte, wie grauenhaft es für die Sänger gewesen sein musste, derartig wild und pubertär zu agieren. Sie antworteten, es sei das Beste gewesen, was Ihnen je passiert sei.

Das war sicher etwas direkt geantwortet, weil ich damals die Frage als provokant empfand. Wir haben da doch nicht einfach sinnfrei rumgeblödelt. Benedikt hatte sein Konzept vorher entwickelt und mit enormer Genauigkeit vermittelt. Viel schlimmer finde ich es, wenn nach Wochen harter Probenarbeit ein Dirigent zu mir sagt: „Hier die drei Töne musst du aber nach vorne singen, da höre ich dich nicht!“, und er damit eine szenische Figur zu einer privaten, rein sängerischen Handlung nötigt. Ich singe am Abend ja genug Töne, da können auch mal drei zur Seite gehen.

Wie stark ist bei Ihnen die Verbindung von Wort und Ton? Wie stehen Sie zum Lied? Wäre auch „nur“ eine Schauspielrolle vielleicht attraktiver?

Manchmal träume ich davon, ins Schauspiel zu wechseln. Ich müsste mir nicht mehr so viel Sorgen um das Wohlbefinden meiner Stimme machen und könnte mir für den ein oder anderen Moment auf der Bühne einfach mal Zeit nehmen. Die Musik drängt ja bei uns immer weiter! Und Lied? Vielleicht kommt’s noch! Bis jetzt gab es einfach noch keine Anfragen.

Für welche Aktivitäten nutzen Sie die Coronazeit?

Klavier üben, Altglas wegbringen und Kochen! Beethovens op. 10/2 zum Beispiel, ein bisschen Goldberg-Variationen und gute Hausmannskost. Gemüse schnibbeln und BR-Klassik hören ist meine Meditation.

Welche Rollen stehen Ihnen bevor, und welche noch nicht gesungene wünschen Sie sich?

Marke aus „Tristan und Isolde“ kommt jetzt. Dann wünsch ich mir den Kaspar aus dem „Freischütz“ und den Hagen aus dem „Ring des Nibelungen“. Und sonst? Ich habe ja bald 60 Rollen gesungen, da sind schon ein paar Wünsche in Erfüllung gegangen!

Was bedeutet „Der Faust“ für Sie?

Sehr, sehr viel! Weil der Schauspielanteil so geachtet wird. Ein reiner Opernpreis würde mir nicht so viel bedeuten.

Zur Person

Der 1982 geborene Patrick Zielke war von 2013 bis 2018 am Theater Bremen engagiert, seit 2018 gehört er dem Ensemble des Nationaltheaters Mannheim an. Er lebt weiterhin in Bremen und versucht mit Intendant Michael Börgerding pro Spielzeit eine Partie als Gast im Theater am Goetheplatz zu realisieren. In der Vergangenheit war dies unter anderem Boris in Schostakowitsch’s „Lady Macbeth“ oder der Ochs im „Rosenkavalier“.

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