Faszination mit einfachsten Mitteln

Kurzweilige Aufführung: Shakespeares „Wintermärchen“ am Leibnizplatz. Foto: Marianne Menke
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Kurzweilige Aufführung: Shakespeares „Wintermärchen“ am Leibnizplatz.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Das „Wintermärchen“ zählt nicht zu den bekanntesten Stücken von Shakespeare, auch wenn es relativ häufig in den Spielplänen erscheint. Es ist eine Geschichte um wahnhafte Eifersucht und scheint zunächst etwas an „Othello“ zu erinnern. Aber anders als bei Othello, dessen Minderwertigkeitskomplexe den Einflüsterungen Jagos Tür und Tor öffnen, handelt es sich bei Leontes, dem König von Sizilien, um eine krankhafte Veranlagung. Er bezichtigt seine Frau Hermione und seinen Jugendfreund Polixenes, den König von Böhmen, des Ehebruchs. Er wirft seine Frau ins Gefängnis und plant sogar die Ermordung von Polixenes durch seinen Vertrauten Camillo. Seine gerade geborene Tochter Perdita erkennt er nicht an und lässt sie aussetzen. Sie wird aber von einem Schafhirten in Böhmen aufgezogen. Böhmen steht hier für eine pastorale Fantasiewelt im Mittelmeer.

Der zweite Abschnitt des Stückes spielt 20 Jahre später. Perdita ist auf der Suche nach ihren Wurzeln. Leontes, der auch seinen Sohn Mamillius verloren hat und dem der Spruch des Orakels die Augen geöffnet hat, ist inzwischen von tiefer Reue erfüllt. So findet das, was als schicksalsschwere Tragödie beginnt, am Ende doch zu einem glücklichen, versöhnenden Ausgang .

Der Regisseurin Patricia Benecke, die das Stück bearbeitet hat, und dem famosen Ensemble aus einer Schauspielerin und drei Schauspielern, das 18 große und kleinste Rollen bewältigt, gelingt es, über gut 90 Minuten mit einfachsten Mitteln zu faszinieren. Die Grundfarbe der Inszenierung ist die Farbe der Unschuld: Weiße, verschiebbare Stoffbahnen und weiße Kostüme der Schauspieler.

Um die schnellen Rollenwechsel zu markieren, genügen einfache Accessoires. Ein Mantel verwandelt Perdita in Hermione, ein Fächer genügt, um eine Hofdame zu markieren. Die Inszenierung erzählt Perditas Reise in ihre Vergangenheit wie ein poetisches Märchen. Tiermasken spielen eine Rolle, das Lied „I Will“ von den Beatles wird geheimnisvoll verfremdet intoniert, das Schafschurfest, bei dem sich Perdita und Florizel, der Prinz von Böhmen, ineinander verlieben, mit bunten Blumen fröhlich und verspielt begangen.

Petra-Janina Schulz (u.a. Hermione, Perdita und Erzählerin), Markus Seuss (Leontes, alter Schäfer und Hofdame), Tim D. Lee (u.a. Polixenes, junger Schäfer, Hofdame) und Simon Elias (u a. Mamilius, Camillo, Florizel) beglücken mit einer sprachlich und darstellerisch ausgefeilten Leistung, die von Präsenz und Wandlungsfähigkeit geprägt ist. Eine ebenso kurzweilige wie berührende Aufführung.

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