Shayna Steele beginnt im BLG-Forum die „Musikfest Surprise“-Reihe

Fast wie die Queen

Shayna Steele im BLG-Forum. Foto: patric leo

Bremen - Von Mareike Bannasch. Weit oben schwebt die Kamera über dem Speicher XI, geht in den Sturzflug und saust an der metallenen Geigerin vorbei. Wer auf seinem Weg ins BLG-Forum die Augen zugemacht oder aus einem anderen Grund abgelenkt war, dem wird direkt vor dem Auftritt von Shayna Steele geholfen. In einem kurzen Film zeichnet das Musikfest Bremen an der Bühnenwand noch einmal den Weg ins Gebäude nach, inklusive Musikfest-Logo – falls noch Fragen aufgekommen sein sollten, wo man da gelandet ist.

Die meisten werden aber auch ohne den Film wissen, warum sie da sind: Um eine Sängerin zu hören, von der nicht wenige behaupten, sie könne jene Lücke füllen, die Aretha Franklins Tod im Jahr 2018 gerissen hat. Mit Vergleichen dieser Größenordnung gibt es natürlich ein Problem: Sie treffen nur selten zu. Und auch Shayna Steele ist keine Aretha Franklin – zumindest noch nicht. Denn wer bei ihrem fabelhaften Auftritt zu Beginn der „Musikfest Surprise“-Reihe die Augen schließt, kann durchaus stimmliche Ähnlichkeiten erkennen. Wie die Queen of Soul verfügt die gebürtige Kalifornierin über einen enormen Tonumfang und ein beachtlichess Stimmvolumen – egal, ob sie nun klagend einer verflossenen Liebe nachtrauert oder mit überschlagender Stimme das Leben feiert.

Allerdings scheint sie manches Mal der Intensität ihres Klangkörpers nicht zu trauen und treibt sich selbst von einer Höchstleistung in die nächste – was mitunter leider in Kreischen endet. Jedoch lassen sich diese Momente bei ihrem Bremer Auftritt an einer Hand abzählen. Einem Abend, an dem die Wahl-New-Yorkerin mit ihrer kongenialen Band scheinbar mühelos zwischen Jazz, Soul, Blues und Rock ‘n’ Roll hin und her springt, mitunter innerhalb eines Songs. Dreh- und Angelpunkt ist das im April erschienene dritte Studioalbum der Autodidaktin. Auf „Watch Me Fly“ sind sowohl Eigenkompositionen als auch Cover bekannter Songs wie „Baby Be Mine“ von Michael Jackson zu hören. Shayna Steele beginnt die Liebeserklärung mit verhaltener Stimme, die sich schließlich in lautes Röhren steigert – passend zum stetig schneller werdenden Beat der Band. Vier Männer, die durchaus ebenbürtig neben der ehemaligen Background-Sängerin (sie trat schon mit Rihanna und Bette Midler auf) agieren, und denen sie lässig am Steinway lehnend immer wieder Raum für Soloeinlagen lässt. So zum Beispiel in „Grandma’s Hands“ von Bill Withers, das schon Größen wie Barbara Streisand oder Gregory Porter gecovert haben. Enorm variantenreich erzählt Steele vom tiefen Glauben an Gott und die Familie – und transportiert ihre Zuhörer tief in den Süden der USA.

Einen Ausflug zu ihren Wurzeln gibt es auch in „Home“, einer Hommage an ihren im Februar verstorbenen Vater, der selbst Musiker war und sie beim Start ins Business maßgeblich unterstützte. Hier sind aber nicht nur Erinnerungen ans Leben in den Bayous des Südens zu hören, sondern auch daran, was es bedeutet, als Afroamerikanerin in den USA aufzuwachsen. Ein Leben geprägt von Alltagsrassismus, dem die junge Frau dank der Musik entkommen konnte. Damals genauso wie heute, wenn Zuhörer und Sängerin zur Zugabe ausgelassen tanzen – und Steele ihre Ankündigung vom Beginn dieses eindrücklichen Abends einlöst: jeden einzelnen im Publikum zum Fan zu machen.

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