„Entdeckung einer Bremer Künstlerin“: Elisabeth Hausmann in der Böttcherstraße

Faible für die Franzosen

Elisabeth Hausmann: Weidenallee, 1913

Bremen - Von Rainer BeßlingMit ihrer Öffnung für aktuelle und vor allem jüngste Bremer Kunst haben die Kunstsammlungen Böttcherstraße bereits in der ersten Ausstellungswoche einen Publikumserfolg gelandet. Dichtes Gedränge auf dem Parcours „Vom Heiligenschein zur LED“.

Am Weg durch das „alte“ Roselius-Haus und das „neue“ Paula-Modersohn-Becker-Museum liegt eine weitere Schau, die einem zentralen Anliegen der Einrichtung geschuldet ist, der Präsentation von Künstlerinnen.

Elisabeth Hausmann heißt die Bremer Malerin, die hier entdeckt werden kann. Äußerer Anlass der kleinen Werkschau sind der 130. Geburtstag und der 50. Todestag Hausmanns. Recht bald werden im Katalogtext Berührungspunkte zwischen der Namenspatronin des Hauses und der inzwischen eher unbekannten Bremerin genannt: Beide hatten am Anfang ihrer Karriere Unterricht bei dem Bremer Kunstmaler Bernhard Wiegandt, beide bereisten Paris und schätzten die französische Kunst-Moderne, beide besuchten Kurse an der Académie Julien. Mit ihrem Werk spielen Elisabeth Hausmann und Paula Modersohn-Becker nicht in einer Liga.

Dass die Kabinett-Ausstellung eher übersichtlich ausfällt, ist nicht zuletzt darin begründet, dass ein Großteil des Werkes von Elisabeth Hausmann 1942 bei einem Bombenangriff vernichtet worden sei, so ein Zeitungsbericht. In den 1930er Jahren sei Hausmann zu einer anerkannten Künstlerin in Bremen avanciert. Unter dem Diktat der NS-Kunstideologie hat sie nach Einschätzung des Kuratoren einen Weg zwischen Anpassung und Rückzug gefunden. 1936 konnte Hausmann einen ersten Preis der Reichs-GEDOK entgegennehmen, für eine „Mutter und Kind“-Darstellung, die der herrschenden Bild-Ideologie offenbar nahe kam.

Das letzte überlieferte Werk der Malerin, das Aquarell „Blumenstillleben mit Kaktus“ (1950), bewegt sich in einem tendenziell unverfänglichen Genre und spiegelt unbestreitbar Könnerschaft wider. Am Anfang des Schaffens Hausmanns und als ein auffälliges Exponat der Schau findet sich ein Selbstbildnis der Malerin. Die Blei- und Buntstift-Zeichnung ist klassisch, dennoch in luftig-leichtem Strich modelliert, handwerklich korrekt der Aufbau der Licht- und Schatten-Zonen.

Ein repräsentatives Porträt in Anlehnung an die historische Schule und eine Verbeugung vor Rembrandt ist das „Bildnis des Bildhauers Diedrich Samuel Kropp“ (1906). Ganz offensichtlich: Diese junge Malerin hatte einen genauen Blick, konnte zeichnen und beherrschte die akademische Malkunst. Fünf Jahre später entstand ein weiteres Selbstbildnis, ein Gemälde auf Pappe. Es lässt die französischen Modernen als neue Referenz für die inzwischen 30-Jährige erkennen. Vorangegangen waren Landschaftsstudien nach dem Bild- und Wahrnehmungskonzept der Neo-Impressionisten.

Die Künstlerin suchte augenscheinlich nach neuen Ausdrucksformen. Allerdings konnte sie die Strömungen der Zeit nicht einer eigenen Bildsprache anverwandeln. Der Duktus des richtig Gesehenen und gekonnt Gefertigten steht bei der Adaption des Impressionismus Vitalität, Entschiedenheit, Persönlichkeit vermutlich im Weg. In Landschaftsansichten, Farbholzschnitten und Radierungen, transformiert Hausmann mit überzeugenderem Ertrag Einflüsse der Expressionisten und der „Worpsweder“.

In ihrer „Weidenallee“ treten Kopfweiden mit ihrer markanten Physiognomie zugleich wie dramatisch gestikulierende Akteure und als dynamische, Tiefe eröffnende Gliederung der Komposition auf. In weiteren Holzschnitten findet sich der bekannte dramatische Duktus des Expressionismus, der vor allem durch harte Kontraste und eng geführte Räume erzielt wird. Bremer Stadtansichten komplettieren den regionalen Charakter der Schau.

Die wohl erste und letzte Einzelausstellung von Elisabeth Hausmann zu ihren Lebzeiten fand 1951 anlässlich des 70. Geburtstags im Graphischen Kabinett statt. In der aktuellen „Entdeckung einer Bremer Künstlerin“ werden nicht nur die individuellen Anlagen und Erträge einer Künstlerpersönlichkeit, sondern auch die Möglichkeiten und Bürden einer Biografie unter den Epochenbrüchen deutlich.

(Paula-Modersohn-Becker-Museum, bis 3. April 2011, Katalog, 64 S., 18 Euro)

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