Explosiv und filigran: Signum Quartett

Signum Quartett Foto: Irene Zandel

Bremen - Von Ute Schalz-laurenze. Eins der schwierigsten Probleme für sehr gute Streichquartette ist es, eine vakante Position neu zu besetzen. Ganz unterschiedliche Methoden wurden dabei entwickelt: Das seit 1994 bestehende und seitdem ohne Besetzungswechsel spielende Signum Quartett entschied sich nach dem Weggang der Primgeigerin Kerstin Dill für einen besonders aufreibenden Weg.

Die in Köln ansässigen Musiker spielten viele Konzerte mit verschiedenen Geigern, manchmal, so erzählt der Bratschist Xandi van Dijk, vier Konzerte pro Woche. Die Wahl fiel 2016 auf Florian Donderer, den Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie, der sowohl als Solist wie auch als Kammermusiker einen berechtigt großen Namen hat. Zusammen mit seiner Frau, der Cellistin Tanja Tetzlaff, kuratiert er eine gut besuchte Konzertreihe im Sendesaal Bremen.

Zu einem umjubelten Konzert kam es jetzt in den Kammermusikkonzerten der Philharmonischen Gesellschaft, das neben dem Auftritt des Quartetts eine weitere Attraktivität bieten konnte: die Mitwirkung des Ausnahmepianisten Alexander Krichel, der seit vielen Jahren in Bremen künstlerische Wurzeln geschlagen hat. Zwar hatte er Stücke aus Franz Liszts „Annés de Pèlerinage“ angekündigt, aber er entschied sich dann doch für die „Symphonischen Etüden“ von Robert Schumann, mit denen er gerade auf Tournee ist.

Er spielt das Werk in der Urfassung mit Variationen. Bei diesem hochvirtuosen Standardwerk sind erneut der Charakter und die Kunst Krichels zu bewundern: Souverän gelingen Übergänge zu immer größeren Schwierigkeiten, genauestens sind feinste Artikulationen zu hören, mitreißend seine Legatokultur. Seine schnellen Anschlagswechsel, die Bögen, die er formt, die oft attackenartigen Übergänge in andere Harmonien, die regelrechten Architekturen, die er baut, sorgen dafür, dass es nicht den mindesten Spannungsabfall gibt.

Diese Qualitäten bringt er auch in das Zusammenspiel mit dem Quartett ein, zusammen gelingt eine beglückende Wiedergabe von Antonín Dvoráks populärem Klavierquintett A-Dur op. 81. Transparenz, rhythmisches Feuer und schwelgerische Klangschönheit prägen geradezu rauschhaft die explosive Interpretation (mit Annette Walther, Violine und Thomas Schmitz, Cello).

Dazu gibt es dann noch das vierte Streichquartett (2005) von Jörg Widmann zu hören, der seinen ganzen Einfallsreichtum in den Dienst der Tradition stellt. Über tastende Sekundleitern wird die Idee des „Stückes über Gehen und Schreiten“ nachvollziehbar, es kommt zu einem dramatischen Höhepunkt, der vielleicht ein Ereignis am Weg charakterisiert.

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