Konzert mit Werken von Mendelssohn

Explodierender Götterknabe

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeAuf den ersten Blick kaum was Besonderes: drei Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und kaum was Besonderes versprach auch der Dirigent Ivor Bolton durch seine gelinde gesagt gewöhnungsbedürftige Körpersprache mit viel wildem Gefuchtel, das keine Entsprechung in der Musik erkennen ließ. Aber der Abend des Abokonzertes der deutschen Kammerphilharmonie wurde großartig – und nur das zählt.

Immer wieder erlebt man wahre Entdeckungen, wenn man die frühe Musik des „Götterknaben“, wie Johann Wolfgang Goethe den 12jährigen Felix Mendelssohn nannte, hört. Eine explodierende Hochbegabung, die neben der Flut von Einfällen ihr Handwerk auf unerhörte Weise beherrscht. Die Kammerphilharmonie ließ nun ein Werk erklingen, das Mendelssohn im Alter von 24 Jahren komponierte: die Ouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“.

Die Musik für diese Liebesgeschichte der Nixe mit dem Menschen erklingt in einer Deutlichkeit, dass man sie kaum zu erzählen braucht: die Nixe, charakterisiert durch die höchst zarten Holzbläser, und der Ritter, dargestellt mit dem herabstürzenden Streicherthema. Die Tragödie nimmt ihren Lauf und endet in einer hoffnungsvoll klingenden Coda. Die Wiedergabe bestach durch ihren drängenden Schwung und ihre atmosphärische Dichte.

Dann die 2. Sinfonie: Das sinfonische Stück, herausgenommen aus der Kantate „Lobgesang“, lohnte ein Kennenlernen. Sie bot vor allem den Bläser-Instrumentalisten reiche Auftrittsmöglichkeiten für die kompositorische Idee des Triumphes des Lichts über die Finsternis, die Mendelssohn 31-jährig für die 400-Jahr-Feier zur Erfindung des Buchdruckes gestaltete. Vieles allerdings wickelten die Musiker der Kammerphilharmonie forciert und überlaut ab, was aber vielleicht auch dem streckenweisen Leerlauf des Stückes entsprach und damit gar nicht zu vermeiden war.

Dann aber wurde es wieder herrlich: die Wiedergabe der dritten, der „schottischen“ Sinfonie (1842). Makellos hier alles, nachvollziehbar die strengen musikalischen Strukturen, die emotionalen Tiefen und die mitreißenden Naturnachbildungen dieses wunderbaren unterschätzten Werkes. Der Schlussaufbau gelang grandios – dem ist nichts hinzuzufügen außer dem luftigen Scherzo aus dem Oktett.

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