Erstmals findet die Lange Nacht der Musik in Bremen statt

Summen, Schwirren, Knarzen

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Die Bremer Gruppe Klank im Gerhard-Marcks-Haus: Ist das jetzt eigentlich noch Musik?

Bremen - Von Andreas Schnell. In Oldenburg ist sie schon seit 2013 ein jährlicher Saisonhöhepunkt für Freunde der Neuen Musik. Am vergangenen Wochenende stellte Klangpol, das Netzwerk Neue Musik im Nordwesten, die Lange Nacht der Musik nun auch in Bremen vor. Über vierzig Konzerte bei freiem Eintritt an verschiedenen Orten entlang der Bremer Kulturmeile und darüberhinaus ließen einen Abend lang den Formenreichtum der zeitgenössischen Musik erahnen. Von Solo-Stücken bis zu größeren Ensembles, vom Liederabend bis zur Klanginstallation, vom Perkussionsstück bis zur elektronischen Komposition reichte das Spektrum, wobei einiges geradezu ehrwürdig wirkte – sogar Franz Liszt stand auf dem Programm. - Von Andreas Schnell.

Und auch wenn das, zugegeben, eine Ausnahme war, gab es zudem einige Klassiker der Neuen Musik zu hören (das Konzert des Marimba-Duos Cong mit Werken von Steve Reich, Ravel und anderen fiel allerdings ohne Angabe von Gründen aus): Das Ensemble New Babylon führte beispielsweise das 1941 komponierte „Third Construction“ von John Cage in der Kirche Unser Lieben Frauen auf. Ein wenig später gab es am gleichen Ort „Dies Irae“ von der russischen Komponistin Galina Ustwolskaja, 1977 im damaligen Leningrad uraufgeführt: ein Stück für acht Kontrabässe, Klavier und einen Holzwürfel, der von Henning Ahlrichs mit zwei Holzhämmern bearbeitet wurde. Ein schroffes, enorm kraftvolles und eindrucksvoll intensives Stück Musik, das sich auch ohne ausgiebige Hörerfahrung in Sachen neuerer Musik erschloss.

Einen ganz anderen Charme besaß die „Drei Miniaturen für Fagott solo“ von Burkhard Kinzler (Jahrgang 1963), die Luis-Konrad Knodel am späten Abend gegenüber der Kunsthalle in den Wallanlagen spielte – nachdem er beinahe ungläubig festgestellt hatte, wie ungewöhnlich es doch sei, dass es um diese Zeit noch Menschen gebe, die sich zeitgenössische Solo-Musik für Fagott anhören wollten. Nach einigen Erläuterungen zu den verwendeten Techniken und kompositorischen Strukturen gab es dann die Miniaturen zu hören, die so schnell vorbei waren, wie sie begonnen hatten, während von der einen Seite Vogelgezwitscher aus einer Installation, von der anderen Verkehrsgeräusch in den Klang einflossen.

Was auch einen Bogen schlug zurück zum Anfang. Den bestritt das an diesem Abend noch an drei weiteren Orten zu begutachtende Bremer Improvisationskollektiv Klank an dem aus Dutzenden Boxen zusammengestellten Lautsprecher-Parcours, der gleichsam das Nervenzentrum der Langen Nacht bildete. Zwischen Gerhard-Marcks-Haus, Wallanlagen, Goethplatz und Wagenfeld-Haus beschallte er den ganzen Abend lang den Stadtraum mit verschiedenen Kompositionen und sorgte vor allem bei Zufallspassanten für Irritationen. flogen über die Straße, hin und her und kreuz und quer, wurden Teil der Geräuschkulisse und entledigten sich ohne Weiteres der Frage, die wohl so alt ist wie jegliche neue Musik, ob nämlich genau das jetzt eigentlich noch Musik ist.

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