Erstes „A Summer's Tale“

Heidschnucke statt Wildschwein

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Die Muse zahlreicher Künstler brachte das Strahlen in die Gesichter der Festivalbesucher.

Luhmühlen - Von Ulla Heyne. Das war´s also schon wieder: Mit einem fulminanten Auftritt der Gute-Laune-Truppe von Calexico ging am Samstag das erste „A Summer's Tale“ in der Nordheide zu Ende.

Ein Festival der anderen Art, mit viel Platz, auch vor den Bühnen – das hatte an den ersten beiden Tagen rund 3000 Besucher auf dem weitläufigen Gelände zunächst eher irritiert. Nach einem musikalisch eher verhaltenen Start waren zwar entspannte Gesichter allerortens zu sehen; allein: Echte Begeisterung hielt sich jenseits von Hängematte und Lachs-Döner eher in Grenzen. Da musste erst eine Altmeisterin kommen, um einen Hauch Woodstock zu verbreiten. Die Ikone einer ganzen Generation Patti Smith hat´s drauf, auch mit ihren 69 Lenzen. Die Muse zahlreicher Künstler brachte das Strahlen in die Gesichter, und wenn die weißmähnige Legende Jesus-gleich an Jimmy Hendrix erinnerte, zum Weltfrieden mahnte oder einen Song von „The Who“ anstimmte, wurde dies Generations-übergreifend zelebriert. Danach konnte eigentlich nichts mehr kommen – oder? Doch: Das Energiebündel Zaz als Kontrastprogramm. Das Energiebündel stellte verbal wie musikalisch klar: Frankreich, das ist mehr als nur der Eifelturm. Ausgesprochen jazzig, mit fetten Bläsern und einer begnadeten Klarinette kamen viele ihrer Songs im Bigbandsound daher, auch ihr Hit „Je veux“ - um mit dem kollektiv angestimmten „Camps Elysées“ dann doch noch mit einem ur-französischen Klischee zu kokettieren.

Das erklärte Ziel des Veranstalters, Künstler zu verpflichten, „deren Namenn sich nicht auf vielen anderen Festivals diesen Sommer wiederholen“, wie FKP Scorpio-Chef Folkert Koopmanns erklärte – es gelang. So erlebten die je 7000 Zuschauer am Freitag und Samstag Perlen wie die „Mighty Oaks“, John Allen, Tori Amos, Sophie Hunger oder Yann Tiersen.

Und auch das Konzept von Kunst und Kultur schien aufzugehen: Filme wie „Oh Boy“ oder „They will have to kill us first“ mit anschließenden Regisseur-Gesprächen wurden auch zu früher Stunde ebenso gut frequentiert wie die Lesungen von Boris Pofalla, Jochen Distelmeyer oder Berichte von Reisebloggern, einem „Couchsurfer im Iran“ oder die zahlreichen Workshops. In deren Genuss kamen allerdings viel zu wenige: „Wir sind förmlich überrannt worden“, gab fkp-Chef Folkert Koopmanns in der Pressekonferenz zu. Sommelier-Workshops, Bierbrauen, Acro-Yoga oder ein Charlston-Kurs: Julia Baer, die seit eineinhalb Jahren am Gesamtkonzept des Festivals gefeilt hatte, hatte den richtigen Riecher. So sollen sich die Investitionen, laut Koopmanns „in Höhe einer kleinen Villa“ in den kommenden Jahren auch für den Veranstalter auszahlen – denn schwarze Zahlen lassen sich mit rund 7000 Besucher täglich an den beiden Haupttagen, und rund der Hälfte an den ersten beiden Festivaltagen, wohl erst in einigen Jahren schreiben, wenn die Veranstaltung etabliert hat.

“A Summer’s Tale” in Luhmühlen

So fiel das Fazit der Veranstalter durchweg positiv aus: Mit Besucherzahlen zwischen rund 3000 (Mittwoch/Donnerstag) und 7000 Besuchern (Freitag/Samstag) ist noch Luft nach oben; Platz wäre für 10.000 gewesen. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Bis zu 20.000 Besucher sind möglich und laut FKP Scorpio-Chef Folkert Koopmanns auch angepeilt, „darüber hinaus ginge der Geist des Festivals verloren.“ Denn der besteht aus viel Platz für Entschleunigung und Qualität. Damit begründen die Veranstalter auch die langen Schlangen an den Essensständen, die dem Namen „Slow Food“ unfreiwillig alle Ehre machten: „Qualität und frisch zubereitetes Essen dauert eben seine Zeit“, so Koopmanns. Zwischenzeitlich habe man überlegt, angesichts von ausverkauften Food Trucks doch kurzfristig auf Fast Food zurückzugreifen, „aber das wäre unserem Anspruch nicht gerecht geworden.“

Damit ging er auch auf Besucher-Kritikpunkt happiger Preise, nicht nur bei den Eintrittspreisen, sondern auch denen bei den Essensständen ein: „Wer billig und schnell will, ist hier einfach falsch.“

Summer’s Tale-Festival in Luhmühlen

Eine weitere Besonderheit des Festivals, neben der hohen Zahl an jüngsten Besuchern (250 Kinder, also fast jeder zehnte Besucher der ersten Tage): Die Polizei war zur abschließenden Pressekonferenz nicht erschienen – es gab einfach nichts zu berichten.

Das überdimensionale Heidschnucken-Kunstwerk, das in vier Tagen unter den Augen der Festivalbesucher im typischen scorpio-Design etwa auch des Hurricane-Wildschweins entstand, es hat Signalcharakter: Gemütlich statt wild, biologisch und nachhaltig. Das kommt an. hey

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