Bruggaiers Kulturwochen

Erst das Denken erschafft das Böse

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"Macbeth (Glenn Goltz) in Frank-Patrick Steckels Bremer Inszenierung des Shakespeare-Klassikers 2009: Ist der blutrünstige Herrscher womöglich doch ein ganz netter Kerl?

Syke - Was war? Was wird? "Bruggaiers Kulturwochen" schauen hin.

Was war?

Komisch, warum in letzter Zeit so viele Leserbriefschreiber vergessen, ihren Namen unter die oft gar nicht mal so freundlichen Grüße zu setzen. Gerade erst wieder: Da würdigt mich ein Herr X aus Y in seinem Schreiben für meine jüngste Kulturwoche als „Anti-Deutschen Nr. 1“. Als „Kulturpapst“ will er mich zwar nicht mehr haben, dafür stellt er mir den baldigen Einzug der Scharia in Aussicht. Hm, Antideutsch? Mal googeln. Unter www.rtl.de gibt‘s den Test „Sind Sie typisch deutsch?“. Ergebnis: „Ein typischer Deutscher sind Sie nicht. Sie sind eher verschiedenen Typen zuzuordnen.“ Na ja, heißt noch nicht, dass ich deshalb gleich antideutsch bin. Also weiter zu www.teste-dich.de. Die fragen nämlich direkt: „Bist du antideutsch?“ Mein Ergebnis: „Der Gemäßigte. Du hast die richtigen politischen Standards, aber musst noch mehr an deinem Style arbeiten – Mehr Hippness!“ Hippness, in dem Fach war ich noch nie gut. Ich glaube, da bleibe ich lieber Papst.

Was wird?

Vielleicht müsste ich als aufrechter Deutscher zumindest mal wissen, was gut ist und was böse. So richtige Patrioten scheinen sich in dieser Frage ja zurzeit sehr sicher zu sein. Andererseits weiß ich in meiner Unsicherheit immerhin Shakespeare an meiner Seite, der Hamlet erklären lässt, dass an sich erst einmal gar nichts gut oder böse sei: „Das Denken macht es erst dazu.“ Ähnlich viel Verständnis für das Böse hat zuletzt nur Gerhard Roth geäußert, jener umstrittene Hirnforscher, der Verbrechern schon mal zugesteht, ihre Taten mangels eigener Willensfreiheit zwangsläufig begehen zu müssen. Ist Macbeth also womöglich ein ganz passabler Charakter, der unter den bösen Befehlen seines eigenen Gehirns leidet? Wäre etwa auch der eine oder andere anonyme Hetzer eigentlich ein Menschenfreund, ließen es die Neuronen nur zu? Antworten sind heute im Theater am Leibnizplatz zu erwarten und zwar von Gerhard Roth selbst.

Montag, 19 Uhr, Stadtwaage Bremen: „Überwachung total“, Lesung mit Peter Schaar.

Montag, 19.30 Uhr, Theater am Leibnizplatz, Bremen: „Die Macht und das Böse bei Shakespeare“ mit Gerhard Roth und der Bremer Shakespeare Company.

Dienstag, 19 Uhr, Zentralbibliothek Bremen: „Drohnenland“, Lesung mit Tom Hillenbrand.

Donnerstag, 19 Uhr, Zentralbibliothek Bremen: „El Error – Der Fehler“, Lesung mit Rosa Montero.

Freitag, 19 Uhr, Zentralbibliothek Bremen: „RLF – Das Richtige Leben im Falschen“, Lesung mit Friedrich von Borries.

Samstag, 20 Uhr, Sendesaal Bremen: „Lieder für den späten Abend“ mit Mark Scheibe.

Sonntag, 10 Uhr, Horst-Janssen-Museum Oldenburg: Eröffnung der Ausstellung „Beuys ohne Hut – Karin Székessy fotografiert Künstler“.

Sonntag, 12 Uhr, Vorwerk Syke: Eröffnung der Ausstellung „White Gold“ von Sabine Wewer.

Sonntag, 18 Uhr, Glocke Bremen: Lesung der Preisträger des 61. Bremer Literatupreises.

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