„Eine große Nachtmusik“: Bremer Musikfest mit 24 Konzerten gestartet

Erschütternde Innerlichkeit

Atemberaubende Klangfarben: Yannick Nezet-Séguin leitet die Rotterdamer Philharmoniker. ·
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Atemberaubende Klangfarben: Yannick Nezet-Séguin leitet die Rotterdamer Philharmoniker.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Der große Pianist Alfred Brendel ist nicht der einzige, der sich euphorisch über die Hochbegabung des 1992 geborenen taiwanesischen Pianisten Kit Armstrong geäußert hat.

So skeptisch man immer bei solchen Äußerungen zu Recht sein mag („die außergewöhnlichste Begabung, die mir je begegnet ist“), so stimmt es doch auch oft, und es ist nichts weniger als beglückend, diesen Talenten auch zu begegnen. So jetzt bei der Eröffnung des Musikfestes am Samstagabend – wieder einmal im Glück einer herrlichen Sommernacht – spielte Armstrong die Klavierbegleitungen zu Liedern von Schumann, Mozart und vor allem Johannes Brahms.

Doch nicht Begleitungen waren das, sondern zusammen mit dem Ausnahmebariton Andreas Wolf Duoperlen von seltener Tiefe und Expressivität. Ich habe noch nie einen Pianisten gesehen, der derart aufmerksam und mitgehend – ohne Noten vor sich – am Mund des Sängers hing wie hier. Das soll nicht die ebenbürtige Leistung des Sängers übergehen, der zum wiederholten Mal auffiel durch seine wunderbare Sprachgestaltung, durch emotionale Tiefe ohne Sentimentalität und durch eine in allen Lagen ungemein ausgeglichene Stimmgebung von mitreißender Schönheit. Schön auch, diese dreiviertelstündigen kleinen Konzerte nicht mit Hits zu füllen, sondern mit einem Zyklus von Brahms, den man sozusagen nie hört: die Lieder op. 32. Liebes(leid)-Lieder alle, die sicher auch viel zu tun haben mit Brahms unglücklicher Liebe zu Clara Schumann. Alles zusammen: ein Geschenk.

Die Auswahl fiel bei der Vielfalt des Repertoires und der stilistischen Angebote des gut besuchten Eröffnungsabend wieder mal nicht leicht, ich entschied mich für die Bläsersolisten der legendären „Musiciens du Louvre“. An der historischen Oboe, dem Fagott, der Klarinette (oder besser deren Vorläufer) und dem Horn verzauberten die klanglichen Wunder, die mit der Erfindung der Klappen so unwiederbringlich verloren gegangen sind. Die gespielten Werke allerdings, das Quintett KV 452 von Mozart und der dritte Satz des Quintettes von Beethoven, op. 16, sind eher der Unterhaltungsmusik zuzuordnen, erreichen nicht annähernd die Tiefe, die man sonst von diesen Komponisten kennt. Ärgerlich für das Publikum: Vor dem Beethoven spielte der Pianist Francesco Corti auf dem Pianoforte Mozarts große Fantasie in c-Moll KV475 – ein Stück von erschütternder Innerlichkeit und Größe – sehr schön, aber ohne Ansage, im Programmheft war es sowieso nicht angegeben.

Die Rotterdamer Philharmoniker waren eingeladen und während bis auf wenige Ausnahmen die meisten ein Konzert dreimal spielten, hatte das Orchester unter seinem Chefdirigenten, Yannick Nézet-Séguin den Ehrgeiz für drei Programmpunkte. Sehr schön, obschon das natürlich niemand gehört hat.

Nach den Wagnerschen Wesendonck-Liedern im ersten Konzert sang die italienische Sopranistin Anna Caterina Antonacci Hector Berlioz‘ Schmerzenszyklus „Les Nuits d‘été op. 5. Bei den „Sommernächten“ handelt es sich um einen Zyklus über das autobiographisch vermittelte Thema der scheiternden und enttäuschten Liebe des 37 jährigen Komponisten: wunderbar gelangen die atemberaubenden Klangfarben von Berlioz‘ kontrapunktloser Musik in Verbindung mit der ergreifenden, sich immer weiter steigernden Singstimme. Riesenbeifall.

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