Cirque du Soleil kommt im Mai mit seinem Programm „Quidam“ nach Bremen

Erinnerung mit Luftballon

Aus zehn Metern in die Höhe: „Quidam“ vom Cirque du Soleil jagt bald auch in der ÖVB-Arena Kindheitsträumen hinterher. ·
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Aus zehn Metern in die Höhe: „Quidam“ vom Cirque du Soleil jagt bald auch in der ÖVB-Arena Kindheitsträumen hinterher. 

Brüssel - Von Mareike Bannasch. Ein kleines Mädchen sitzt auf dem Fußboden, in seiner Hand ein roter Luftballon, den es gerne seinen Eltern zeigen würde. Doch Vater und Mutter widmen ihre Aufmerksamkeit lieber der Zeitung und dem Telefon.

Während sich so manches Kind vor überfürsorglichen Eltern in Sicherheit bringen muss, hat Zoé das andere Extrem erwischt. Und die beiden emotionslosen Gestalten im Wohnzimmer bringt wahrlich nichts aus der Ruhe – auch kein Kopfloser mit Regenschirm, der an der Haustür klingelt.

Sein Eintreffen ist der Beginn zu einer Reise in die Welt der Fantasie. Dort trifft Zoé allerlei Gestalten, denen niemand im Dunkeln begegnen möchte. Und wenn doch, dann auf gar keinen Fall allein. Da ihre Eltern aber weiterhin nirgends zu sehen sind, ist Zoé auf die Hilfe eines Freundes angewiesen.

Dieser erscheint in der Rolle des Target immer dann, wenn Gefahr im Verzug ist. Passend zum Namen trägt er eine große Zielscheibe auf der Brust und macht mit akrobatischen Einlagen auf sich aufmerksam. Fast so, als würde er versuchen, die Aufmerksamkeit der Kreaturen auf sich zu lenken. Diese können zwar nicht mit ihrem Aussehen, aber immerhin mit Körperspannung und Beweglichkeit punkten.

Denn auch in der Produktion „Quidam“, die an diesem Abend im Forrest National in Brüssel über die Bühne geht, setzt der Cirque du Soleil auf Bewährtes. Artisten stapeln sich übereinander, turnen an Seilen unter der Decke herum oder zeigen, dass sich auch Koffer und Schirme zum Jonglieren eignen. Dass der Zuschauer dabei mitunter Mühe hat, alle Geschehnisse auf der Bühne im Auge zu behalten – geschenkt. Denn das wirklich Atemberaubende zieht unweigerlich die Blicke auf sich. Wie die Artistin, die an einem roten Seil von der Decke hängt. Und für angstvolle Aufschreie sorgt, als sie sich auf zehn Metern Höhe fallen lässt – nur um sich kurz vor dem Boden noch festzuhalten. Und während die Menge noch ungläubig über ihre Beweglichkeit staunt, taucht im Hintergrund ein alter Bekannter auf.

Zoés Vater hat sich von seiner Zeitung verabschiedet und beobachtet das Treiben. Er ist auch zur Stelle, als es darum geht, die junge Frau von der Bühne zu tragen. Sie ist nach getaner Arbeit regungslos in sich zusammengesackt. Wie der Kindheitstraum des Vaters, der als Artist Karriere machen wollte. Und diesen Wunsch im Laufe der Jahre einfach vergessen hat. Oder erkennen musste, dass sein Körper nicht einmal ansatzweise so beweglich ist.

Überhaupt entwickelt sich die Traumwelt zu einem Ort der Kindheitserinnerungen. Dort hüpfen Heerscharen von Jungen und Mädchen über Seile. Natürlich nicht so einfach wie auf dem Schulhof. Hier geht es über Kreuz, in einer Reihe oder nebeneinander über die Taue. Während dieses Mal die Mutter im roten Kleid und mit einer Traube Luftballons in der Hand dem Treiben zuschaut. Sie tritt eine Reise in ihre eigene Kindheit an und entdeckt lang verlorene Träume wieder. Allerdings nur bis zur nächsten Szene: Dann zerplatzen die bunten Ballons und damit auch die Hoffnungen des kleinen Mädchens, das sie einmal war. Ein deprimierender Gedanke, mit dem die Macher vom Cirque du Soleil ihr Publikum nicht zurücklassen wollen.

Deshalb gibt es zum Ende des Programms noch die obligatorische Clown-Nummer, die in keinem Zirkus fehlen darf. Und die Zusammenführung der Familie. Zu Vater, Mutter und Zoé gesellt sich auch der kleine rote Luftballon, der sich auf die Reise zur Decke begibt. Die Familie braucht ihn nicht mehr, sie verbindet nun gemeinsame Träume.

„Quidam“ ist von Donnerstag, 29. Mai, bis Sonntag, 1.Juni, in der ÖVB Arena in Bremen zu sehen. Die Vorstellung beginnen um 20 Uhr, Sonnabend und Sonntag gibt es einen weiteren Termin um 16 Uhr.

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