Jahreshitliste der Retro-Boxen: CD-Sampler von günstig über aufwändig bis Deluxe und Super-Deluxe

Erinnerung an einen Provokateur: Gainsbourgs „Melody Nelson“

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Platz 1 der Hitliste der Retro-Boxen: Serge Gainsbourg.

Syke - Von Jörg Worat2011 war ein großes Jahr für Retro-Boxen aus Rock und Pop, Blues und Jazz. Dies sind die Top Ten des Jahres:

10. Mit den „Lost Albums“, die nicht zur Entstehungszeit herauskamen, ist es so eine Sache: Nach und nach baut sich ein Mythos auf, der nicht mehr einzuholen ist. 1966/67 kriegten sich die Beach Boys über den Aufnahmen zu „Smile“ in die Flicken. Das Album erschien erst 2011, dann gleich als Einzel- und Doppel-CD sowie als Super-Deluxe-Set. Nun erfährt die Welt also, was psychedelische Surf-Musik ist. Hat was, strengt aber an. „Sgt. Pepper’s“ ist besser.

9. Besonders wenig Geld kosten die Boxen der Serie „Real Gone Jazz“. Die Klangqualität schwankt stark. Auch die Box „7 Classic Albums plus Bonus Radio Tracks“ von Odetta hat Macken, doch wer die Sängerin noch nicht kennt könnte den Kauf in Erwägung ziehen. Blues, Folk und Spirituals, inbrünstig bis pathetisch und in den besten Momenten atemberaubend.

8. Alice Cooper wird zumeist vor allem mit seiner Geisterbahn-Show in Verbindung gebracht. Darüber gerät in Vergessenheit, dass kaum jemand die Klaviatur der Rockmusik so souverän beherrscht wie dieser Herr. Eine Box vereint mit „Trash“, „Hey Stoopid“ und „The Last Temptation“ die drei zwischen 1989 und 1994 beim Epic-Label erschienen Alben. Einprägsame Riffs, Stimme mit Charakter, viel Gitarrengejaule.

7. Eine 6-CD-Box vereint unter dem wortspielerischen Titel „Complete Faith“ Aufnahmen von Adam Faith aus den Jahren 1958 bis 1968 (EMI). Sehr charmanter Weichspüler-Rock’n’Roll des britischen Sängers, der später ein erfolgreicher Schauspieler und ein erfolgloser Finanzberater wurde. Faiths Stimmumfang hielt sich in Grenzen, dafür besaß er ein gutes Rhythmusgefühl.

6. Das edle Set „The Magic Of Dusty Springfield“ (Universal) würdigt mit drei CDs, einer DVD und einem dicken Booklet die Frau, die einst den Soul in die britische Popmusik brachte. Eine seltsame Mischung aus ärgerlicher Flachware, Hyperkitsch, charmanten Frühwerken und Gänsehautnummern (z.B. „Little By Little“, „Can I Get A Witness“ und natürlich „Son Of A Preacher Man“). Für Unersättliche gibt es zusätzlich eine Superbox, die vermutlich alles enthält, was das Fanherz erfreut.

5. EMI beweist mit den neuen „4in1 Album Boxsets“ wieder einmal Begabung für kuriose Reihenzusammenstellungen (Nicki, Killing Joke, Wayne Shorter ...). Zu den Höhepunkten gehört die Box mit vier Alben von Francoise Hardy aus der Zeit zwischen 1967 und 1971. Die charismatische Chansonette gibt sich hier melancholisch, dort beschwingt, und ein bisschen Drama darf auch mal sein.

4. Taj Mahal hat zwar den Blues, der Sänger und Multiinstrumentalist ist aber auch stets für andere Musikrichtungen offen gewesen. Eine 3-CD-Box aus der Reihe „Original Album Classics“ (Sony) enthält das sehr intensive titellose Debüt von 1968 mit Ry Cooder an der Rhythmusgitarre, das ein Jahr später erschienene, etwas relaxtere Album „The Natch’l Blues“ und „Mo’ Roots“ aus dem Jahre 1974 mit Reggae-Einflüssen und einem „Cajun Waltz“.

3. Wer noch Berührungsängste mit Jazz im Allgemeinen und John Coltrane im Besonderen hat, sollte eine preisgünstige 5-CD-Box der „Original Album Series“ (Warner) ins Auge fassen. Die Aufnahmen, darunter die Klassiker „Giant Steps“ und „My Favorite Things“ stammen aus den Jahren 1959/60, als der Saxophonist noch nicht gar zu experimentell orientiert war.

2. Gleich noch mal Jazz: Das zweite Set mit 5 Alben aus der „Columbia“-Phase von Thelonious Monk (Sony) ist vielleicht einen Tick schwächer als der Erstling. Doch immer noch um Längen interessanter als der Durchschnitt: Der exzentrische Pianist zeigte, dass Einfallsreichtum eben weit wichtiger ist als blendende Technik ohne Seele.

1. Knapp 28 Minuten: Länger brauchte Serge Gainsbourg 1971 nicht, um die „Histoire de Melody Nelson“ (Mercury) zu erzählen. Provokant wie je, reicherte er seine siebenteilige Suite mit einem Mix aus Hypno-Funk, Sprechgesang und orchestralen Einschüben an. Die Titelfigur in der von Nabokovs „Lolita“ beeinflussten Geschichte spielt natürlich Jane Birkin. Nichts scheint hier zusammenpassen, und doch geht’s kaum stimmiger – ein Klassiker. Nun erschienen als Deluxe-Box mit 2 CDs und einer DVD, als Super-Deluxe-Set mit noch mehr drin und als Picture-Vinyl-LP.

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