Pharao Echnaton als Religionsstifter: Eine Ausstellung in Hamm zeigt „Ägypten in neuem Licht“

Erfinder der göttlichen Sonne

Echnaton und Amarna: Der Pharao revolutionierte im 14. Jahrhundert vor Christus den Glauben.

Von Ralf StiftelHAMM (Eig. Ber.) · Als Sphinx ließ der Pharao Echnaton sich darstellen. Demütig liegt sein Raubtierkörper vor der göttlichen Sonne und bietet ihr ein Opfer dar.

Und Aton greift mit den Lichtstrahlen nach dem Herrscher und dem Gefäß, man sieht sogar die angedeuteten Händchen. Echnaton (1374–1335 v. Chr.) war ein Revolutionär: Er hat Aton sozusagen erfunden, als Kern einer neuen Religion für das Ägypten des Neuen Reichs. Außerdem errichtete er am Nilufer, fernab der alten Metropole Memphis, eine eigene Stadt, Amarna, die um 1343 v. Chr. bezogen wurde. In Deutschland kennt man vor allem seine Frau Nofretete. Deren Bildnis wurde in Amarna entdeckt und ist nun in Berlin eins der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Dem Herrscher und seiner Stadt widmet das städtische Gustav-Lübcke-Museum in Hamm eine umfangreiche Ausstellung: „Echnaton und Amarna – Ägypten in neuem Licht“.

Ihren besonderen Reiz verdankt die Schau einer Kombination aus neu und alt. Zum einen versammelt sie rund 140 originale Kunstwerke der nur kurzen Amarna-Epoche. Weil diese Objekte sehr kostbar, sehr qualitätvoll und sehr selten sind, freut sich Museumsdirektorin Ellen Schwinzer über Leihgaben aus Museen in Berlin, Wien, Oxford, Leiden. Zum anderen hat Christian Tietze, der mit Petra Vomberg die Schau kuratierte, nach Recherchen in Ägypten detailierte Architekturmodelle von Herrenhäusern, Palästen und Tempeln in Amarna im Maßstab 1:50 gebaut. Sie vermitteln anschaulich den Luxus einer Metropole, die am Reißbrett entstand und nur wenige Jahrzehnte bewohnt war. Nach dem Tod Echnatons wurden seine Reformen rückgängig gemacht, und der ägyptische Hof zog zurück nach Memphis.

Diesem Umstand verdankt die Nachwelt, dass so viel von Armana blieb. Sie wurde nicht überbaut, die Häuser blieben in ihren Grundrissen unberührt, nur der Wüstenwind fraß die Mauern auf eine Höhe von ungefähr anderthalb Metern ab. Die Stadt war auch eine technische Glanzleistung. Eine neue Baumethode ermöglichte, dass sie in wenigen Jahren hochgezogen wurde. So wurden für Paläste und Tempel nicht mehr massive Felsblöcke verwendet, sondern normierte, handliche Steine.

Echnaton war, so mutmaßt Tietze, ein charismatischer Herrscher, der allein sein neues Regime trug. Er allein behauptete, direkten Zugang zu Aton zu haben, und nur er verkündete die Absichten des Sonnengotts. Damit verloren die Priester des alten Systems ihre Pfründe. Sein Glaube war vorbildhaft für spätere monotheistische Religionen wie das Christentum. So greifen Psalmen der Bibel Motive des „Sonnenhymnus“ auf, der die Aton-Religion beschreibt.

Echnaton schuf Aufstiegsmöglichkeiten für Angehörige der Unterschicht, schließlich brauchte er eine neue Elite. Die Untersuchung der Architektur lieferte erstaunliche Erkenntnisse über den ägyptischen Staat unter Echnaton. „Amarna war kein Sklavenhaltersystem“, unterstreicht Tietze.

(Bis 30.1.2011)

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