Deutsche Kammerphilharmonie spielt in der Bremer Glocke ohne Dirigent

Zur Entspannung etwas Mozart

Erster unter Gleichen: Christian Tetzlaff. Foto: Giorgia Bertazzi
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Erster unter Gleichen: Christian Tetzlaff.

Bremen - Von Markus Wilks. Geht das – ein Orchester ohne einen Dirigenten? In ihrem 2. Premieren-Abokonzert spielt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen quasi in Eigenverantwortung ein anspruchsvolles Programm. Konzertmeister Florian Donderer überwacht vom 1. Pult aus mitspielend das Geschehen, Solist Christian Tetzlaff ist quasi in die Instrumentengruppe eingegliedert und meistert in der Glocke als „Primus inter pares“ das Brahms-Konzert.

Natürlich ist es kein Dauerzustand, ohne einen Dirigenten aufzutreten, doch wer, wenn nicht die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, sollte sich diesen Luxus gelegentlich leisten dürfen? Das unabhängige Orchester ist ja gleichsam eine große Gruppe kammermusikalisch geprägter Solisten, sodass das eigenständige Spielen und das Zuhören dem organisatorischen Selbstverständnis entsprechen.

Bereits beim ersten Stück, Beethovens „Prometheus“-Ouvertüre, musiziert die Kammerphilharmonie gewohnt zupackend, präzise und energiereich. Konzertmeister Florian Donderer (verantwortlich für die Einstudierung) gibt zügige Tempi an, die das Orchester gekonnt umsetzt, um dann im weiteren Verlauf mit scharfen Akzenten weitere akustische Zeichen zu setzen. Einen größeren Kontrast zur danach folgenden zweiten Kammersinfonie von Arnold Schönberg kann man sich kaum vorstellen.

Doch auch hier prägt erneut das intensive und dem Konzertmotto „detailverliebt“ entsprechende Spiel die Musik. Gilt Schönberg zwar als Vater der atonalen Zwölftonmusik, blickte er in dieser Sinfonie auf alte Zeiten zurück und schrieb ein an Details überreiches Werk, das durch seine Atmosphäre auch den heutigen Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. Seitenweise könnte man die Merkmale des Orchesterspiels aufzählen, an dieser Stelle sollen exemplarisch die besonderen Farben der Trompeten und die zupackenden Kontrabasssoli erwähnt werden. Zwischen der Arbeit mit den kleinen Motiven blitzen immer wieder tänzerische Momente hervor, und manchmal fühlt man sich angesichts von Werk und Interpreten gar in einer großen Mahler-Sinfonie.

Mit Christian Tetzlaff gastiert ein „guter Freund“ der Deutschen Kammerphilharmonie in der Glocke, der das Violinkonzert von Johannes Brahms auf eine ganz eigene Weise spielt. Immer wieder bezaubert er, vor allem in den hohen Lagen, mit einem sanften, zarten Ton, doch in anderen Passagen des Werkes streicht und schlägt er die Saiten fast aggressiv, woraus eine kontrastreiche Interpretation resultiert. Sein Zugriff auf die Partitur ist frisch, als ob er improvisierend agiert, und im Zusammenspiel mit der anderen ersten Geige (Donderer) und deren Orchesterkollegen unermüdlich zupackend. Das Resultat: Publikumsjubel und zur Entspannung etwas Mozart.

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