Axel Bosse gastiert 2016 zum vierten Mal auf dem Eichenring

Engtanz auf dem Hurricane

Hört Ton Steine Scherben, ist für Viva Con Aqua: Axel Bosse. - Foto: Ralf G. Poppe

Scheessel - Von Ralf G. Poppe. Das Hurricane-Festival begeht vom 24. bis zum 26. Juni seine 20. Auflage. 75 000 Fans werden dort feiern – das Event ist bereits ausverkauft. Wir werfen zum Jubiläum einen kleinen Blick hinter die Kulissen und die menschliche Seite der Künstlerriege des Jubiläums-Festivals.

„Das Glück ist schnell wie Aubameyang und ich ein dummer Elefant“ heißt es im neuen Bosse-Song „Nachttischlampe“. Doch Axel wäre beinahe selbst Fußball-Profi geworden. In der Jugend spielte er bei seinem Heimatverein Eintracht Braunschweig so gut, dass gar der große Nachbar VfL Wolfsburg ein Auge auf ihn geworfen hatte. Borussia-Dortmund-Star Aubameyang landete eher zufällig im Liedtext. „Ich brauchte etwas Schnelles. Es ist der Wahnsinn, wenn Aubameyang läuft. Das mit Glück zu vergleichen, dahinter den Elefanten zu setzen, darüber habe ich mich eine Woche gefreut.“

Und mit ihm sein Publikum. „Engtanz“ sprintete in der letzten Februarwoche von Null an die Spitze der Hitlisten. Bosse selbst sitzt manchmal im Publikum des FC St. Pauli, Fan ist er aber ausschließlich von Eintracht Braunschweig. Dem aktiven Sport verdankt er gerade Muskelkater im Arm. „Ich habe meinen Manager weggemacht beim Badminton,“ sagt der mittlerweile in Hamburg lebende 35-Jährige, der mit der deutsch-türkischen Schauspielerin Ayse verheiratet ist, mit ihr eine neunjährige Tochter hat. Das Selbstbildnis des „Elefanten“ hinkt allerdings. Axel Bosse ist passionierter Tänzer, tanzt manchmal bis zur Erschöpfung: Vom Rap-Sänger Casper zu dessen „Castivals“ eingeladen, sollte Bosse den Sänger und Organisator als Gast bei dessen Auftritt beehren. „Das hat leider nicht geklappt. Nachdem ich mich bei meinem Auftritt über eine Stunde kaputt getanzt hatte, lag ich im Sanitäterzelt am Tropf! Früher habe ich einmal eine Tanzschule besucht. Das hat mir nicht so viel Freude gemacht. Auf der Bühne tanze ich sehr gern, ansonsten eher eng.“ Und das sehr erfolgreich – sein sechstes Album „Engtanz“ ist seine erste Nummer eins, obwohl bereits die „Kraniche“ wochenlang in den Charts kreisten.

Durch seinen älteren Bruder ist der Künstler der Musik und Berlin näher gekommen, zeiht bereits mit 16 zuhause aus. Vor seiner Karriere verkauft Bosse auf Konzerten Merchandising-Artikel für die Braunschweiger Formation Such A Surge und für Farin Urlaub. Mit 17 unterschreibt er als Sänger seiner „Schülerband“ Hyperchild den ersten Plattenvertrag. Die aktuelle Single „Steine“ hat mit der Vergangenheit jedoch nichts zu tun, obwohl der Axel gerne Lieder der Berliner Agit-Rockband Ton Steine Scherben neuinterpretiert. Deren „Warum geht es mir so dreckig?“ nahm Bosse mit Franz Plasa für ein Album zu Ehren von Scherben-Sänger Rio Reiser auf. Plasa war zudem Produzent der 90er-Jahre-Teenieband Echt – deren Sänger Kim Frank als Regisseur mittlerweile Bosse-Videos dreht mit ihm bei der Aufzeichnung zur DVD „Kraniche live in Hamburg“ in der ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle den Reiser-Song „Junimond“ sang.

Anlässlich der Gespräche zur Live-CD/DVD, die kurz nach Bosses drittem Hurricane-Auftritt 2014 stattfanden, gab sich der Interpret geradezu melancholisch: „Wenn ich jetzt eine Einladung zum Hurricane-Festival bekomme, denke ich schon: Alter, als ich 13 oder 14 war – wenn mir da jemand vom Hurricane erzählt hätte, ich hätte das nicht geglaubt. Da wäre ich gegen Bäume gelaufen, so hätte ich mich gefreut. Ich finde es gut, wenn man sich hier und da zurückerinnert, wo man eigentlich herkommt, wie man angefangen hat.“ Deshalb beschwert er sich auch nicht über Interviews. Obwohl: „Eigentlich muss ich doch noch meine Tochter abholen, sie zum Ballett bringen.“ Wo garantiert keine „Krumme Symphonie“ getanzt wird. Eine solche ist auf „Engtanz“ zu hören. Realisiert mit Gastgesängen von Casper.

Axel Bosse macht vor Genregrenzen eben nicht halt. Dafür spielt sich sich manches innerhalb der Grenzen des Landkreises Rotenburg (Wümme) ab. Dort performt er 2009 erstmals auf dem „Hurricane“, dort lebt der Arrangeur Werner Becker, der in den 70er- und 80er-Jahren als Anthony Ventura viermal die LP-Charts anführt. Von Becker (72), der sich mittlerweile unter dem Namen „Moorklang“ für den Erhalt der Naturlandschaft, gegen den industriellen Torfabbau in Gnarrenburg engagiert, lässt Bosse sich für „Ahoi Ade“ eigens eine Orchestrierung samt Streicher-Arrangement schreiben.

Dass der Landkreis Rotenburg schöne, naturbelassene Landschaften hat, kann übrigens auch Bosses Backing-Sängerin, Harmonium-, Melodica- und Vibraphon-Spielerin Valentine Romanski bezeugen. Sie erkundete 2015 auf der Konzertreise zu ihrer „Wild Heart EP“ das Kloster zu Zeven sowie den Kratteichenwald in Bucholz bei Tarmstedt.

Bosse spielt auch am Freitag, 18. März, im Schlachthof, Bremen (ausverkauft!) und am Dienstag, 29. November, 20 Uhr, im Pier 2, Bremen.

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