„Klingeling, du hübsches Ding“: Christian Holtmann und Piotr Rambowski entdecken die Weisheit des Konfuzius / Ausstellung in Bremen

Endlich Ordnung in der Kunst

Kunst ohne Umschweife: „Inhalt“ von Piotr Rambowski.
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Kunst ohne Umschweife: „Inhalt“ von Piotr Rambowski.

Bremen - Von Johannes BruggaierDas Runde möge man rund nennen, empfahl einst Konfuzius, und das Eckige eckig: „Dann ist die Welt in Ordnung.“ Ob Ordnung die hervorstechendste Eigenschaft der Kunst ist, bleibt dahingestellt.

Für Christian Holtmann und Piotr Rambowski jedenfalls bietet Konfuzius‘ Diktum die Gelegenheit, endlich einmal unbelastet von den Publikumserwartungen einer raffiniert konstruierten Metaphorik ans Werk zu gehen: malen, was man meint, ganz direkt und ohne doppelten Boden.

In der Bremer Galerie Gavriel ist der Bote dieser neuen Unmittelbarkeit der Sesamstraße entsprungen. 25 DIN-A-4-Papiere fügen sich dort zu einem Star schnitt des Kuschelmonsters Elmo zusammen. Fröhlich jongliert das Wesen mit fünf roten Herzen. Woran es dabei denkt, lässt sich einer unscheinbaren Notiz am unteren Bildrand entnehmen: „Klingeling, du hübsches Ding, ich versteck‘ meinen Ehering.“ Christian Holtmann hat diese ironisch plakative Szene (Titel: „die Gefährtin“) kreiert.

Gleich daneben lässt auf einer weiteren DIN-A-4-Collage der Arm von Mickey Mouse seine Muskeln spielen. Über dem gewölbten Bizeps verkünden rote Buchstaben „Power“. Wer sich das Bild genauer ansieht, der erkennt, dass anstatt vermuteten blütenweißen Materials vielmehr Schmierpapier zur Grundlage dient. Darunter auch eine Vorladung des Amtsgerichts, adressiert an den Künstler persönlich. Als Zeuge? Oder etwa als Täter? Just da, wo das Schreiben über diese Frage Aufschluss geben könnte, wird der Text vom Arm überdeckt: Die Kunst siegt über den Ärger vor Gericht.

Holtmanns Kollege Rambowski lässt seiner Mitteilungslust zunächst im kleineren Format freien Lauf. „Zu wenig Sex zu vel Gehirn“ findet er zum Beispiel – Rechtschreibfehler inbegriffen. Und weil der Sex respektive der sinnliche Genuss schließlich „zu wenig“ ausgeprägt ist, lässt sich zu diesem dahin geschriebenen Satz auch nicht mehr finden als die Andeutung einer Farbkritzelei.

An anderer Stelle gönnt sich Rambowski deutlich mehr: mehr Raum, mehr Farbe, mehr Struktur. Hinter dem Meer geht die Sonne unter, vorne ragt eine Palme ins Bild. Der Kitsch ist gewollt. Oder der Papagei: Unter dem weiten Sternenhimmel, der sich über die Gebirgslandschaft spannt, blickt er neugierig seinen Betrachter an. In seinem Schnabel hält er ein goldenes Band, daran befestigt ist ein Medaillon. Eine Welt in Ordnung, ganz direkt und ohne doppelten Boden? Oder zeigt sich hier nicht doch wieder das klassische Zeichensystem, mit seinen historischen Bezügen und angedeuteten Verschlüsselungsmustern?

Das mit dem Runden und dem Eckigen ist offenbar doch nicht so einfach. Wäre es das, bräuchte man sich mit Kunst ja auch nicht mehr auseinanderzusetzen. Die Werke von Holtmann und Rambowski zumindest beziehen aus dem Misslingen des Ordnungsversuchs überhaupt erst ihren ästhetischen Reiz: ein heiteres Scheitern an Ecken und Rundungen.

Bis 31. Januar in der Galerie Gavriel, Am Wall 178, Bremen. Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-17 Uhr.

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