New Yorker Krach-Legende Swans gibt Abschiedskonzert in Bremen

Am Ende des Krachs

Michael Gira dirigiert die Swans. - Foto: Jens Wassmuth

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Wer zu den Swans geht, der will beschädigt werden – oder nimmt es zumindest in Kauf. Die kaum erträgliche Lautstärke ihrer Konzerte hat sich herumgesprochen und ist in 35 Jahren Bandgeschichte längst zum Mythos geworden. Draußen vor dem Bremer Lagerhaus jedenfalls, wo die Swans am Samstag ihr letztes Europakonzert gegeben haben, sind Ohrstöpsel das bestimmende Thema. Und wie schlimm so ein Tinnitus werden kann. Und wer schon so alles ohnmächtig geworden ist bei solchen Konzerten.

Noch dichter ist die Anspannung drinnen – und zwar auf der Bühne. Bandgründer und -chef Michael Gira peitscht seine Musiker durch den 45-minütigen ersten Song. Und obwohl seine schlechte Laune ähnlich legendär ist wie diese Lautstärke, bekommt man es schon ein bisschen mit der Angst zu tun. Da steht Gira mit Rücken zum Publikum und dirigiert den Drummer mit dem Gitarrenhals. Die Augen der anderen Vier kleben an Gira und warten auf Handzeichen und böse Blicke vom Chef. Nach ungefähr 35 Minuten lächelt er mal kurz – ganz kurz.

Disziplin sticht Spielfreude: Das mag unsympathisch sein, funktioniert aber. Quälend langsam entfalten sich der Ambient-Sound zu einem hochkomplexen Gebilde, in dem selbst das brachiale Eindreschen auf Gitarrensaiten wie vom Feingeist komponiert daher kommt. Jedenfalls, wenn man unten richtig steht. Und das tun im Lagerhaus leider die wenigsten. Denn wer in der direkten Einflugschneise des Soundmonsters keinen Platz gefunden hat, bei dem quillt nur noch Brei aus den Boxen. Zumindest bekommt man bei dröhnendem Kopf und im Bass flatternden Klamotten eine Idee davon, warum alle nur von der Lautstärke reden.

Ende der Woche beenden Swans ihre Abschiedstour mit drei Konzerten zu Hause in Brooklyn. Und das war’s dann – zumindest für diese Inkarnation der Band.

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