Britische Sängerin Elizabeth Watts überstrahlt Bremer Philharmoniker

Emotionen in der Mittellage

Elizabeth Watts überzeugt beim Gastspiel. Foto: MARCO BORGGREVE

Bremen - Von Ute Schalz-laurenze. Auch wenn man ein reines Komponistenprogramm auf die Bühne bringt, gilt es, über die Gestaltung gut nachzudenken. Der Pianist und Dirigent Christian Zacharias ist bekannt für Programme, in denen jedes Stück ein anderes ganz besonders beleuchtet. Nun war er mit den Bremer Philharmonikern in der Glocke zu Gast – mit vier Werken von Wolfgang Amadeus Mozart. Vier Stücke aus den Jahren 1786 und 1787 blicken auf diese Zeit im Leben des zunehmend unglücklichen Komponisten in Wien und Prag. 1781 war er nach dem Bruch mit Salzburg nach Wien gekommen – zunächst als Pianist unglaublich erfolgreich: ein Klavierkonzert nach dem anderen entstand. In Bremen spielt Zacharias als Dirigent und gleichzeitig Pianist das Konzert in C-Dur KV 503 – so wie Mozart es selbst praktizierte. Keine Frage, das ist gut gemacht, aber die Komplexität zwischen Resignation und neuem Mut, zwischen Trauer und Humor scheinen zu sehr eingeebnet. Alles ordentlich, aber zu wenig Geheimnis (von denen das Werk voll ist), zu wenig Zauber, zu wenig Poesie. Vielleicht sind wir zu sehr an die expressiven Klangergebnisse der alten Instrumente und einem Hammerflügel gewöhnt, als dass wir diesem allzu glatten Zugriff noch zustimmen könnten. Jedenfalls ist in diesem Moment Zacharias‘ interpretatorisches Motto „Man muss Musik ,sprechen‘“ nur mit sehr gutem Willen erkennbar.

In diesem Sinne erklingt auch die Sinfonie in D-Dur, KV 504: energischer Zugriff, transparente Bläserfarben (die Bläser sind besonders zu loben), aber insgesamt zu wenig von der Lebensambivalenz des späten Mozart, der dem Publikum nun endgültig nicht mehr entgegenkommen will.

Was für die beiden Instrumentalstücke weitgehend fehlt, bringt Elizabeth Watt, britische Sopranistin mit einer wunderbar kraftvollen Mittellage, im Übermaß: da braucht das Publikum gar keinen Text, um in den beiden Konzert-Arien KV 505 und 528 konkrete Emotionen zu erfahren: Abschied, Angst, Trauer, Hoffnung. Es ist nicht weniger als sensationell, wie und mit welchem stimmlichen Können Watts die Musik regelrecht aufbaut. Entsprechend dann auch der Beifall.

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