An der Grenze der Reizüberflutung: Jean Michel Jarre gastierte in Hamburg

Elektroniker der alten Schule

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Bei der Klang-Arbeit: Jean Michel Jarre. ·

Von Ulf KaackHAMBURG · Musikalische Epochen gehen zu Ende, Stilrichtungen verschwinden aus den Charts, dem Radio und dem eigenen Gehörgang. Einer der allen Korrekturen des Musikbusiness widerstand, gastierte am Donnerstagabend mit einer energiegeladenen Show in der Hamburger O2-World: der Elektrosinfoniker Jean Michel Jarre, ein Gesamtkunstwerk.

Er wurde einst, in den späten 70ern, als Erneuerer seines Faches und Trendsetter in der Rockmusik gefeiert. Seitdem steuert der Franzose beharrlich seinen eigenen Kurs zwischen Pop und E-Musik. Er ist ein Weltstar, der auf jeden Hype um seine Person verzichtet. Und trotzdem ist er ein Mann der Superlative: Seine Konzerte vor Millionenpublikum auf dem Pariser Place De La Concorde, im Hafen von Monaco oder vor den Pyramiden von Gizeh schrieben Musikgeschichte. Ebenso seine Alben – allen voran „Oxygene“, „Equinoxe“ und „Magnetic Fields“, die auch an diesem Abend auf der Setlist standen.

In Hamburg lieferte Jean Michelle Jarre eine perfekte klangliche und visuelle Inszenierung. Dabei bedienten sich er und seine vier Mitstreiter augenscheinlich überwiegend analoger Synthesizertechnik aus den 70er- und 80er-Jahren. Pompös und orchestral anmutende Werke, hymnisch und episch, wechselten sich ab mit tanzbaren Hits aus seiner frühen Schaffensphase. Eine manchmal seltsam klingende Mixtur aus Ruhe, Tiefgang und Energie.

Ist das Kunst, ist das Pop oder ist das modern inszenierte Klassik, mag sich so manch einer gefragt haben? Wie ein Zauberlehrling erzeugte Jarre monumental verdichtete Modulationen, nervös wabernde Soundteppiche, zuweilen sphärische Choräle. Elektrifizierte Monotonie, wie das Flimmern heißer Luft mittags über einer Salzwüste. Surreale Klanggemälde. Mal von wagnerschem Gigantismus, mal von der Kälte eines sterilen Laboratoriums.

Die visuelle Show stand der Musik in ihrer massiven Präsenz nicht nach. Stroboskope und farbiges Licht, vor allem aber Laser und Videosequenzen zeichneten ein modernes Bühnenbild, das zuweilen hart an der Grenze zur Reizüberflutung manövrierte. Einen besonderen optischen und akustischen Gimmick präsentierte Jean Michel Jarre mit seiner Laser-Harfe. Auch eine antiquierte Ätherwellengeige, bekannt als Theremin, brachte der Franzose zum Klingen. Das Instrument erinnert an die tremolierende Arie einer Opernsängerin, fügte sich dabei harmonisch in das akustische Gesamtbild ein.

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