Neue „Swampriders“-CD vorgestellt

Elektrische Familie

Labelmacher: Tom Redeker alias The Perc. ·

Bremen - Von Andreas Schnell - Zur Begrüßung gab's ein Gläschen Sekt, Swampriders-Abfüllung. Ein ganz normaler Konzertabend sollte es schließlich nicht sein, denn es gab die Veröffentlichung der vierten „Furious Swampriders“-Zusammenstellung zu feiern.

22 Jahre nach der ersten Ausgabe, die erste seit zwölf Jahren. Dass der Saal im Lagerhaus einigermaßen gut gefüllt war, ist bei einem derart behäbigen Produktionsrythmus nicht selbstverständlich. Denn auch wenn auf der neuen „Swampriders“-CD durchaus prominente Musiker wie Nick Cave, Deborah Harry und Sixteen Horsepower zu hören sind: Die Musiker, die am Freitag im Lagerhaus zur Feier des Tages spielten, waren überwiegend lokale Gewächse.

Eingeladen hatte Tom Redecker, Initiator der Samplerreihe und älteren Bremern besser als The Perc und Hälfte der Indie-Darlings The Perc Meets The Hidden Gentleman bekannt, die in den frühen Neuzigern einigen Erfolg in der Szene hatten. Seitdem ist Redecker vorwiegend als Label-Macher im Geschäft. Er eröffnete den Abend mit einer kleinen historischen Einführung und kündigte Hank Ray, den ersten Künstler des Abends an. Der in Berlin lebende Niedersachse spielte ein Set aus eigenen und Fremdkompositionen wie „That Lucky Old Sun“ und „Mother Of Earth“, letzteres ein Song von Jeffrey Lee Pierce, der mit seiner Band Gun Club in den 80er Jahren Punk, Blues und Country versöhnte und zu einer Art prototypisch amerikanischen Musik verschmelzen wollte. Damit stellt der 1996 jung verstorbene Pierce gleichsam den Ahnherrn der Swampriders dar. Denn bei den meisten der auf den Zusammenstellungen vertretenen Musiker lässt sich eine ungefähre gemeinsame Haltung beobachten, eine durch die Verwerfungen von Punk gebrochene Haltung zur musikalischen Tradition. Bei Hank Ray ließ sich das an der rudimentären Gitarrenbegleitung ablesen, aber auch an seinem etwas manirierten Gesang, der einen liebevoll-spöttischen Blick auf Crooner wie Frankie Laine oder den Balladen-Elvis wirft.

Das Kirschbaum-Weishoff-Trio (in Wirklichkeit ein Duo), das im Anschluss zu sehen war, ist ebenfalls von Punk- und Wave-Haltungen geprägt, mit denen nassforsch stompender Garagen-Blues geplündert wird. Ihr schnoddriger Auftritt war charmant, auch wenn die Songs mitunter etwas eindimensional geraten sind. Schließlich betrat The Perc selbst die Bühne, begleitet von Hanno Jansen am Cajón und Peter Apel an der Gitarre. Das Trio machte sich mit Spielfreude über die teils bewusst naiven, von Kraut-Rock und psychedelischem Pop inspirierten Songs von The Perc her.

Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Velvetone, leicht getrübt durch den krankheitsbbedingten Ausfall der Blechblasabteilung der Bremer Ska-Punks Mad Monks, die dem virtuos ausgeführten Roots Rock von Velvetone exklusive Würze verleihen sollte. Eine Band wie Velvetone ist allerdings routiniert und souverän genug, um auch dieses Manko vergessen zu lassen.

(Das Album „New Rides Of The Furious Swampriders“ ist auf Sireena Records erschienen.)

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