Künstlerhaus Bremen zeigt Daniel Neubachers „un_content“

Einmal Virtualität und zurück

Wie Sie sehen, sehen sie nichts: „un_content“ von Daniel Neubacher. Foto: Neubacher

Bremen - Von Rolf Stein. Was echt ist und was nicht, ist keine ganz neue Frage, aber eine, die im Zuge der Digitalisierung noch verstärkte Relevanz erhalten hat. Nicht nur an sogenannte Fake News, auch an die verstärkte Manipulierbarkeit von Bildern, Videos und anderem sei in diesem Zusammenhang erinnert.

Daniel Neubacher, der dritte Atelierstipendiat im Bremer Künstlerhaus, beendet seine Förderzeit mit einer Einzelausstellung, in der er die Grenzen zwischen realen und digitalen Welten trennscharf verschwimmen lässt. Klingt paradox? Klar, aber mit Paradoxien hat „un_content“, so der Titel der Schau, nicht nur am Rande zu tun. Im Grunde ließe sich sagen, dass sich die Ausstellung generell um Paradoxien herum bewegt. Zu sehen ist im hinteren Teil des Galerieraums ein Galerieraum, an der Wand Bilderrahmen, davor zwei Betrachter, daneben drei Sockel. Und nichts davon ist echt. Oder etwa doch?

Die Rahmen, sie sind weiß – aber es gibt ja durchaus monochrome Malerei. Auf den Sockeln befindet sich: nichts. Aber warum nicht einmal den Sockel an sich zum Thema von Kunst machen? Viel eigenartiger ist, dass die beiden Betrachter die Ausstellung gar nicht verlassen können. An den Glaswänden, deretwegen sie das nicht können, klebt eine Schutzfolie, unter der wir das Wort „Shutterstock“ lesen. Das ist der Name einer Fotoagentur, die ihre Ware, ihren „content“ (Englisch für Inhalt), vor allem via Internet vermarktet.

Zu diesen Inhalten gehören, wir sind noch nicht am Ende, auch Bilder von Ausstellungsräumen, die nach Belieben mit virtueller Kunst gefüllt werden können. „Mockup“ nennt sich das Prinzip, übersetzbar in etwa als Vorführmodell.

Solch einen Ausstellungsraum hat Neubacher nun in die reale Welt geholt, von jeglichem Inhalt befreit, wobei die virtuelle Ausstellung ihrerseits zum real existierenden Inhalt wird. Und die in der real-virtuellen Ausstellung gefangenen Zuschauer? Die sind lediglich Pappkameraden, firmieren im digitalen Bilderlager als „isolated business woman“ und „isolated business man“, verrät Neubacher, was noch ein paar Assoziationsketten mehr freilegt.

Dass dieses Arrangement aus abwesender Kunst und fiktivem Publikum von dem echten Künstler Daniel Neubacher in ganz konkreten Materialien in einen ganz echten Ausstellungsraum verfrachtet wurde und nun ganz realen Verfallsprozessen ausgesetzt ist, ist noch eine paradoxe Pointe, über die sich Neubacher zu Recht fast diebisch freut.

Eindeutiger in ihrem Verhältnis von Künstler und Werk sind die Jahresgaben im vorderen Teil der Galerie: Nona Inescu, Norman Sandler, Dafna Maimon, Luise Marchand und Stephanie Kiwitt haben dem Künstlerhaus Arbeiten zur Verfügung gestellt, die während Neubachers Ausstellung begutachtet und erstanden werden können.

Sehen

Eröffnung: Sonntag, 16 Uhr, Ausstellung vom 11. Dezember bis 19. Januar, Künstlerhaus Bremen, Am Deich 68/69.

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