Johanna Behre zeigt ihr Erstlingswerk beim Filmfest Bremen

Einmal im Leben nach San Remo

Lea Willkowsky spielt eine der tragenden Rollen in Johanna Behres Film „San Remo“. Filmstil: johanna Behre

Bremen - Von Rolf Stein. Pop war schon immer für die kühnsten Versprechungen gut, für die buntesten Träume, die unwahrscheinlichsten Hoffnungen. Dass zwei Musiker aus Berlin, die Musik machen, die sich an den Großen des italienischen Pop orientiert, hoffen, eines Tages auf dem Festival della canzone italiana in San Remo spielen zu können, ist deshalb vielleicht nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen könnte.

San Remo, das steht für Adriano Celentano, für Eros Ramazotti, für Al Bano und Romina Power. Das unwahrscheinliche Duo heißt Itaca. Was wie das nicht sehr freundliche Wort klingt, mit dem man früher Italiener gelegentlich schmähte. Itaca ist aber auch die italienische Schreibweise der Insel Ithaka, laut Homer die Heimat des Odysseus. Vielleicht ist das ein Schlüssel zu dem Film „San Remo“, der die Geschichte der Band erzählt.

In Bremen feiert der Film heute Abend auf dem Filmfest Premiere – und er ist auch schon in gleich vier Kategorien für Preise nominiert, unter anderem für den Innovationspreis und den Bremer Preis. Musikfilme gibt es natürlich wie Sand am Meer, dokumentarische wie fiktive – und auch „Mockumentarys“ wie „Fraktus“. Doch „San Remo“ fällt tatsächlich aus der Reihe. Zwischen Doku-Fiction und magischem Realismus sortiert Johanna Behre den Streifen ein, die mit der Geschichte von Itaca ihren ersten unabhängig produzierten Film vorstellt – aber im Grunde sei es „einfach eine Liebesgeschichte“.

Aus der Idee eines gemeinsamen Projekts mit Itaca wurde bald der Plan, einen abendfüllenden Film zu drehen. Der Hang der beiden Musiker, um sich selbst einen Mythos zu erschaffen, faszinierte die Filmemacherin. Weil das Geld knapp war, nutzte Behre schließlich die Gelegenheit, Itaca auf ihrer Italien-Tour zu begleiten und währenddessen den Film zu drehen.

Als dramaturgischen Beschleuniger installierte sie die Figur der Sonny Blümel, eine junge Werberin aus Bremen, die noch am Anfang ihrer Karriere steht und endlich etwas vorweisen muss. Lea Willkowsky, unter anderem bekannt aus der Neflix-Serie „Dark“, übernimmt diese Rolle. Mit verzweifeltem Ehrgeiz drängt sie in die Welt der ambitionierten, aber erfolglosen Musiker, die voller großer Versprechungen und fadenscheinigem Glamour ist.

Was einerseits ein Stück Realität für die beiden Musiker ist, wird in „San Remo“ zugleich Fiktion. „Es stimmt alles, und nichts ist wahr“, sagt Behre. Die Gigs in schäbigen Clubs, die spontanen Begegnungen mit Fremden, die unversehens zu Freunden werden, der Kulturschock, dass da Deutsche kommen, um Italienern ihre eigene Melodie vorzuspielen – all das stimmt. Und es ist natürlich auch inszeniert, schon allein, weil Itaca eine Inszenierung ist.

Den Innovationspreis hätte „San Remo“ damit also durchaus verdient. Den Bremer Preis aber auch. Schließlich ist der Film nicht nur unter anderem mit einer kleinen Förderung des Bremer Filmbüros entstanden. Lea Willkowsky ist wie ihre Figur nämlich auch Bremerin. Vor eineinhalb Jahren zog sie von Berlin an die Weser. Klingt nicht sehr karriereförderlich, aber: „Seit ich in Bremen wohne, drehe ich immer mehr“, sagt Willkowsky. Nach zehn Jahren habe sie keine Lust mehr auf Berlin gehabt. „Ich hatte einfach Lust auf Norddeutschland und finde die Leute hier total entspannt und das Leben entspannter.“

Das komplette Programm

www.filmfestbremen.com/programm

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