Zum Tod des Bremer Künstlers und Galeristen Hermann Jacobs

Einfluss durch Anspruch

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Hermann Jacobs führte mehr als drei Jahrzehnte die „Galerie im Winter“. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingSeine „Galerie im Winter“ war mehr als 30 Jahre lang eine der führenden Adressen für zeitgenössische Kunst in Bremen.

Vor einem Jahr ging Hermann Jacobs mit einer großen Werkschau in der Städtischen Galerie Bremen noch einmal als Künstler an die Öffentlichkeit. Vier Jahrzehnte lang hatten die Bilder auf dem Dachboden gelagert. Freunde ermunterten ihn zu der Ausstellung, die ein umfangreiches Schaffen in hoher Qualität dokumentierte. Es sollte einer der letzten öffentlichen Auftritte des gebürtigen Bremers sein. Am Montag starb Hermann Jacobs im Alter von 82 Jahren.

Seine ersten Bilder spiegeln die Zeit, in der Jacobs seine künstlerische Ausbildung aufnimmt: Szenen aus dem zerstörten Bremen. Karl Kriete wird 1945 sein erster, und wie Jacobs in einem Interview sagte, wichtigster Lehrer. Es folgen Studienjahre bei Willy Menz und Gustav Adolf Schreiber. Landschaften und Bildnisse entstehen, Jacobs wird ein gefragter Porträtist bleiben. 1949 wagt er den Schritt in die freie Künstlerexistenz. Im selben Jahr wird er Gründungsmitglied der Gruppe „Siebenpunkt“, zu der auch der bereits etablierte Maler Arnold Schmidt-Niechciol gehört. So bekommt Jacobs die Chance, bereits in jungen Jahren auszustellen. In den 1950-er und 60-er Jahren erarbeitet er sich durch eine Vielzahl von Ausstellungen große Beachtung weit über Bremen hinaus.

In der Hansestadt ist Hermann Jacobs einer der führenden Künstler seiner Generation. Zahlreiche öffentliche Aufträge belegen diesen Rang. Landschaftsimpressionen von Reisen, surreale Szenen und technoide Motive finden sich in den Werken dieser Zeit. Körperhafte Nachtbilder thematisieren Grundfragen und Grenzerfahrungen menschlicher Existenz. Einen bemerkenswerten Werkabschnitt stellen die grafischen Arbeiten dar, in denen Jacobs in Form und Farbe zwischen altmeisterlicher Anmutung und Experiment einen eigenen Weg geht.

Aus gesundheitlichen Gründen stellt er Anfang der 1970-er Jahre seine künstlerische Tätigkeit ein und widmet sich später ganz seiner Galerie in der Richard-Wagner-Straße. Vor allem in den Niederlanden, wo der begeisterte Segler die Sommermonate verbringt, findet Jacobs die Künstler für seine Galerie, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Lisa betreibt. Das Programm spiegelt bis zuletzt Nähe zur Avantgarde, Neugier für junge Positionen, Sympathie für klare Formen, aber auch für ausdrucksstarke Individualität.

Hermann Jacobs nimmt den hohen Anspruch, den er an seine eigene Kunst stellte, mit in seine Ausstellungstätigkeit. Er kann sich auf seinen subjektiven Blick verlassen und folgt keinen ästhetischen Konjunkturen. Hermann Jacobs hat ohne viele Worte überzeugen könen und wird als früher und einflussreicher Architekt einer Szene für moderne Kunst in Bremen in Erinnerung bleiben.

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