Deutsche Kammerphilharmonie und Alondra de la Parra in der Glocke

Wie aus einem Guss

Zeichengebung, Mimik, Gestik: Dirigentin Alondra de la Parra setzt auf viel Körperspannung. Foto: Felix Broede

Bremen - Von Markus Wilks. Orchestermusik des 20. Jahrhunderts kann spannender und unterhaltsamer sein als manch routiniert gespielter Klassiker – zumindest dann, wenn man so lustvoll agiert, wie Alondra de la Parra und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Im ersten Hanse-II-Abonnementkonzert standen Werke von Bacewicz, Bartók, Debussy und Strawinsky auf dem Programm. Perfekt, um die solistischen Qualitäten des Ensembles ebenso hervortreten zu lassen wie dessen Spielfreude.

Vor einem halben Jahr (beim Musikfest) hatte sich Dirigentin Alondra de la Parra mit dem effektvollen „Dánzon Nr. 2“ von Arturo Márquez von einem euphorisierten Bremer Publikum verabschiedet. Quasi wie eine Fortsetzung eröffnete sie das Konzert in der Bremer Glocke mit der „Ouvertüre“ der polnischen Komponistin Grazyna Bacewicz (1909 bis 1969). Obgleich weniger tänzerisch als das Márquez-Stück, begeisterte die Deutsche Kammerphilharmonie auf Anhieb mit diesem nervös vorwärtsdrängenden, überwiegend rasant gespielten Auftakt.

In andere Welten entführten uns Alondra de la Parra und die Kammerphilharmoniker zu Beginn des zweiten Konzertteils. In Debussys „Prélude à L‘après-midi d‘un faune“, einem impressionistischen Klanggemälde über die erotischen Träumereien des Fauns, bewiesen die Musiker ihr Gespür für feinste Nuancen und ein subtiles Spiel, häufig im unteren Bereich der Lautstärkeskala.

Alondra de la Parra ließ die vielen solistischen Passagen der eingesetzten Instrumente ganz im Sinne Debussys nahtlos ineinander übergehen, ohne diese besonders herauszustellen, dabei umschmeichelten neben der Soloflöte auch Oboe und Klarinette die Ohren der Zuhörer.

Béla Bartóks Violakonzert vereint auf eine ganz individuelle Art so gegensätzliche emotionale Zustände wie die beiden erwähnten Auftaktstücke. Da gibt es neben schroffer Modernität und hochvirtuoser Solostellen auch tänzerische Momente und traumhaft schöne Inseln der Ruhe zu entdecken. Antoine Tamestit zauberte auf seiner Viola und konzertierte mit dem aufmerksamen Orchester auf das Vorzüglichste. Er entlockte seinem Instrument einen sinnlich-sonoren Klang und ließ diesen großen, dunklen Ton in der Glocke aufblühen. Dem starken Beifall war anzumerken, dass Tamestit und de la Parra mit ihrem Spaß an der Musik und dem Spielwitz das Publikum überzeugt hatten.

Schließlich Igor Strawinskys effektvoll instrumentierter „Feuervogel“ (gespielt wurde die 1919 zur Suite arrangierte Fassung der Ballettmusik), in dem Alondra de la Parra ihre Körpersprache erneut auf die virtuos agierenden Kammerphilharmoniker übertrug. Komplizierte, eine hohe Spielfertigkeit verlangende Stücke wie diese Suite scheinen der Dirigentin „im Blut zu liegen“. Ihre klare Zeichengebung, Mimik und Gestik transportieren Energie und das Gefühl für die spezifische Atmosphäre.

Die in großer Besetzung spielende Deutsche Kammerphilharmonie Bremen fand eine tolle Balance zwischen den impressionistisch anmutenden Momenten (erneut mit delikat agierenden Holzbläsern und dem Solo-Horn) sowie der kontrollierten Ekstase im „Höllentanz“ und im Finale. Und danach? Gegenseitige Umarmungen auf der Bühne und lautstarke rhythmische Beifallsbekundungen für eine Interpretation wie aus einem Guss.

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