Intendant zur Lage am Stadttheater Bremerhaven

Ulrich Mokrusch über Schließung wegen Corona: „Eine traumatische Erfahrung“

Wann „Rio Reiser – Wer, wenn nicht wir“ wieder zu sehen ist, steht noch in den Sternen. Foto: Heiko Sandelmann
+
Wann „Rio Reiser – Wer, wenn nicht wir“ wieder zu sehen ist, steht noch in den Sternen.

Bremerhaven/Syke - Die Coronakrise trifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Und so hart es auch für leidenschaftliche Konzert-, Theater- oder Museumsgänger ist, dass das kulturelle Leben derzeit nur noch in den eigenen vier Wänden vonstattengeht, trifft es doch die um ein Vielfaches härter, die von der Kunst leben.

Wir haben uns in der Region umgehört, wie sich die Pandemie dort auswirkt, zuletzt bereits am Staatstheater Oldenburg. Die Lage am Stadttheater Bremerhaven schildert Intendant Ulrich Mokrusch.

Herr Mokrusch, wie ging es Ihnen, als Sie beschlossen haben, Ihr Haus bis auf Weiteres zu schließen?

Das war eine wirklich einschneidende, traumatische Erfahrung, dass wir gemeinsam mit dem Kulturdezernenten das Theater vor einer großen Opernpremiere schließen mussten.

Ulrich Mokrusch

Noch ist unklar, wann Sie wieder öffnen werden. Wie gehen Sie mit dieser auch finanziell unsicheren Lage um?

In diesen Zeiten zeigt sich, welch eine soziale und gesellschaftliche Errungenschaft das Stadttheater ist. Unsere Gehälter sind gesichert, das Theater wird auch nach der Krise noch da sein, vital wie immer. Wir werden versuchen, die zu erwartenden Einnahmeausfälle mit einem dann kulturhungrigen Publikum in Grenzen zu halten.

Arbeiten Sie als Theater auch in der Schließzeit weiter?

Wir sind natürlich den Ansagen der Behörden gefolgt und haben fast alle Mitarbeiter ins Homeoffice oder lernfrei geschickt. Die Künstler bereiten sich auf die kommenden Rollen zu Hause vor, die Administration arbeitet konstant weiter.

Was bedeutet die Schließung für Ihre freiberuflichen Mitarbeiter? Versuchen Sie die Ausfälle irgendwie aufzufangen?

Für die freischaffenden Künstler ist die Krise existenzbedrohend, da sie kaum sozial abgesichert sind und schlagartig viele Einnahmen wegfallen. Wir werden versuchen, dies sehr kulant zu behandeln, verschieben Aufführungen oder auch ganze Premieren in die nächste Spielzeit und machen Zusatzangebote für mögliche andere Rollen.

Wie wird diese Krise das zukünftige Programm prägen, vielleicht auch positiv?

Das ist im Moment noch schwer zu sagen. Sicher ist, dass diese Schockerfahrung der plötzlichen fast totalen Einschränkung der individuellen Freiheitsrechte auf der einen Seite aber auch die große gesellschaftliche Solidarität anderseits lange noch unser Denken und Handeln beeinflussen werden und damit auch theatralische Formen der Aufarbeitung finden werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Kommentare